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Foto: APA/Schaulust
In den letzten Tagen vor der Wahl wird die Nervosität in den Parteizentralen größer: Hat nun Hannes Androsch seinem Parteifreund Alfred Gusenbauer mit seinen Einsparungsratschlägen saure Drops unter die Wahlzuckerln gemischt? Hat die ÖVP noch eine Personalreserve in petto oder bloß eine knorrige Wahlempfehlung von Arnold Schwarzenegger? Schüttelt die steirische Eiche ein wenig Aufmunterung aus ihren Ästen, oder schießt der Kärntner Bonsai aus dem Bärental hoch?

So abwegig können die Spekulationen über einen ultimativen Coup des Gegners nicht sein, als dass sie nicht als heißer Tipp an der Gerüchtebörse gehandelt würden. Dabei genügt ein Blick auf die Knochenarbeit der Parteien, um zu erkennen, worum es wirklich geht: Die Wahl wird in Wien entschieden. Wer hier die Nase vorn hat, kann auch herbere Verluste in den Bundesländern verkraften. Es ist kein Zufall, dass die VP-Landesfürsten, die zu Wien sonst ein distanziertes Verhältnis pflegen, sich hier die Sohlen ablaufen und nicht mehr als ein Lächeln über manch grobe Bemerkung zur Funktion des G'scherten in der Bundeshauptstadt verlieren.

Alles deutet darauf hin, dass Wien vor allem für SPÖ und Grüne das Maß der Dinge sein wird. Der Funktionärsapparat der SPÖ läuft auf Hochtouren, um dort Stimmen zurückzugewinnen, wo in den vergangenen Jahren die Haider-FP gewildert hat: in den Gemeindebauten der Außenbezirke. Die Grünen blühen und verwelken mit der Bereitschaft ihrer urbanen Klientel, sie zu wählen. Die ÖVP buhlt ebenfalls um FP-Wähler und hofft, mit dem Schüssel-Effekt ihren historischen Nachteil gegenüber der SPÖ auszugleichen. Bis Sonntag werden alle gebannt auf Wien starren und hoffen, dass es diesmal in ihrem Sinn hält, was ein Slogan verspricht: anders zu sein.(DER STANDARD, Printausgabe, 20.11.2002)