Seoul - Nach der Entscheidung der USA und ihrer Verbündeten über einen Stopp von Öllieferungen an Nordkorea hat der kommunistische Staat Washington für die Annullierung des bilateralen Atomabkommens verantwortlich gemacht. Die Entscheidung sei eine "sträfliche Verletzung" des Abkommens, hieß es am Donnerstag in der Erklärung eines Sprechers des Außenministeriums in Pjöngjang. Die USA, Südkorea, Japan und die EU hatten in der vergangenen Woche als Strafmaßnahme für das von Nordkorea eingestandene Atomwaffenprogramm entschieden, das Land im Rahmen des Energiekonsortiums für Korea (KEDO) ab Dezember nicht mehr mit Heizöl zu versorgen. Die USA hätten damit einseitig ihre letzte Verpflichtung unter dem Rahmenvertrag von 1994 aufgegeben, hieß es in der Erklärung aus Pjöngjang, die von der amtlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA verbreitet wurde. Für Nordkorea bedeute dies "höchste Zeit zu entscheiden, wer die Schuld für den Zusammenbruch des Rahmenabkommens hat". Es war die erste Reaktion Nordkoreas auf die Ankündigung KEDOs. Nordkorea hatte sich 1994 gegenüber den USA dazu verpflichtet, sein umstrittenes Atomprogramm einzufrieren. Im Gegenzug wurden dem Norden der geteilten koreanischen Halbinsel zwei moderne Kernreaktoren und 500.000 Tonnen schweres Heizöl im Jahr zugesagt. Die USA hatten jedoch im vergangenen Oktober mitgeteilt, dass Nordkorea zugegeben habe, ein geheimes Programm zur Anreicherung von atomwaffentauglichem Uran zu betreiben. Das Eingeständnis hatte weltweit Besorgnis um die Sicherheit in der Region ausgelöst. Washington verurteilte das Verhalten Nordkoreas als klare Verletzung ihrer Abrüstungsvereinbarungen. Nordkorea leidet seit Jahren außer unter einer Versorgungskrise auch unter einem chronischen Energiemangel. Der Stopp von ausländischen Öllieferungen ist deshalb nach Angaben südkoreanischer Experten ein schwerer Schlag für das Land. (APA/dpa)