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foto: apa/hanschke
Wien - Die Wertvernichtung an den internationalen Aktienbörsen und die Skandale um Bilanzfälschungen lassen ältere US-Arbeitnehmer um ihre Pensionen zittern. Die Gewerkschaften, die an die drei Billionen US-Dollar an Pensionsfonds-Geldern verwalten oder über ihre Verwendung mitbestimmen, wollen die Krise nutzen, um Arbeitnehmerrechte zu stärken. William Patterson ist der Direktor des Investment-Büro beim US-Gewerkschaftsdachverband AFL-CIO. In dieser Woche tourte er durch Europa, um bei Tagungen von Arbeitnehmervertretern seine Erfahrungen mit privaten Pensionsmodellen und ihre Gefahren aufzuzeigen. "Der Enthusiasmus für die private Vorsorge hat bei der breiten Bevölkerung merklich nachgelassen. Die älteren Menschen werden länger und härter arbeiten müssen, als sie geplant haben", fasst Patterson die Stimmung im Gespräch mit dem Standard zusammen. Empfehlungen an seine europäischen Kollegen bezüglich Privatpensionen will er aber nicht abgeben - zu unterschiedlich seien die Systeme in den USA und Europa. Risiko bei Arbeitern "Grundsätzlich gibt es in den Vereinigten Staaten neben einer kleinen staatlichen Pension zwei Formen von Betriebspensionen: So genannte "defined benefit plans", die nicht mehr als zehn Prozent ihres Kapitals in Aktien des eigenen Unternehmens anlegen dürfen und eine garantierte Rente auszahlen. Auf der anderen Seite stehen die "defined contribution plans", die keinen Beschränkungen hinsichtlich der Aktienquote bei der Veranlagung unterliegen", erläutert Patterson. Das Problem dabei: Im zweiten Fall liegt das Risiko großteils bei den Arbeitnehmern. Und die Mehrheit der Betriebe setzt mittlerweile auf diese Form der Vorsorge, was die Probleme noch verschärft. Ein Teil dieser Gelder wird von den Gewerkschaften verwaltet, die versuchen, die Geschäftskultur in den USA zu verändern, wie Patterson ausführt. Seit den Skandalen der vergangenen Monate bekommt er Oberwasser: Auch andere Investoren schließen sich bei Hauptversammlungen Initiativen der Gewerkschaften an, freut sich der Arbeitnehmervertreter. Druck der Anleger So wurden beispielsweise bei mehreren Firmen ein Limit für Consultingverträge mit jenen Unternehmen, die gleichzeitig die Buchprüfungen vornehmen, durchgesetzt. Steuerschlupflöcher, die die Sozialabgaben verringern, wurden gestopft und der Rücktritt von Enron-Managern, die in anderen Firmen im Aufsichtsrat saßen, durchgeboxt. Ein Problem gesteht Patterson allerdings ein: Auch die Arbeitnehmer sind an möglichst hohen Renditen ihrer Fonds interessiert. "Wir setzen uns dafür ein, langfristig zu denken und gewisse Standards zu etablieren, die Pensionen in der Zukunft sichern", verdeutlicht der Gewerkschafter seinen Plan. (Michael Möseneder/DER STANDARD Print-Ausgabe, 21.11.2002)