Ankara - Durch das Tragen einer traditionellen islamischen Kopfbedeckung hat die Ehefrau des neuen türkischen Parlamentspräsidenten Bülent Arinc von der Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei (AKP) eine heftige Kontroverse hervorgerufen. Arinc, der am Dienstag zum Präsidenten der Nationalversammlung gewählt wurde, die aus dem allgemeinen Wahlen vom 3. November hervorgegangen ist, erschien bei der ersten Staatszeremonie, an der er in seiner Eigenschaft als protokollarisch zweithöchste Persönlichkeit der Republik teilnahm, in Begleitung seiner Frau, die das bei Laizisten Anstoß erregende Kopftuch trug. Die kemalistische Verfassung der Türkei schreibt die strikte Trennung von Staat und Religion vor. In Abwesenheit von Staatspräsident Ahmet Necdet Sezer, der am NATO-Gipfel in Prag teilnimmt, übt Arinc verfassungsmäßig die Funktionen des Staatsoberhauptes aus. "Das Kopftuch an der Spitze des Staates!" titelte am Donnerstag das Massenblatt "Hürriyet". Wie die Presse berichtet, tragen die Ehefrauen von 16 der 25 Minister der neuen Regierung des AKP-Ministerpräsidenten Abdullah Gül das Kopftuch. Die Zeitung "Cumhuriyet" bezeichnete dies als gefährliche Herausforderung der republikanischen Werte der Türkei. (APA)