Wien/Paris - Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nimmt in ihrer jüngsten Konjunkturprognose die Wachstumserwartungen für Österreich erneut zurück und geht für 2002 von einem Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent aus. 2003 werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nicht, wie von der Organisation zuletzt prognostiziert, an Fahrt gewinnen, sondern mit 1,9 Prozent gedämpft bleiben. Erst 2004 sei mit einem Wachstum von 2,6 Prozent wieder mit einem wirtschaftlichen Aufschwung zu rechnen, heißt es in der OECD-Herbstprognose (Economic Outlook Nr. 72), die heute, Donnerstag, in Paris präsentiert wurde. Tourismus als Hoffnungsträger Der Aufschwung könnte sich jedoch verzögern, wenn sich die prognostizierte weltweite Konjunkturerholung ab Mitte 2003 nicht einstellt, betont die OECD. Jedoch könnte in Österreich vor allem der Tourismussektor von einem veränderten Reiseverhalten als Reaktion auf die wachsenden Sicherheitsbedenken profitieren. Die OECD hatte zuletzt im April Österreich ein Wachstum von 1,2 Prozent in diesem und 2,8 Prozent für kommendes Jahr vorhergesagt. Mit den neuen Schätzungen liegt die Pariser Organisation für heuer jedoch sogar unter den Erwartungen der EU, die vergangene Woche in ihrer Herbstprognose von einem BIP-Wachstum für Österreich für 2002 von 0,7 Prozent und für 2003 von 1,8 Prozent ausgegangen ist. Wifo und IHS sehen bis zu 0,9 Prozent Österreichs Wirtschaftsforschungsinstitute hatten Ende September für 2002 einen Realzuwachs des BIP von 0,9 Prozent (Wifo) bzw. 0,8 Prozent (IHS) vorausgesagt. Für 2003 hatten die Institute Ende September mit 2,2 bzw. 2,5 Prozent Wirtschaftswachstum gerechnet. Danach, am 5. November, erklärte Wifo-Chef Helmut Kramer allerdings zur nächsten Konjunkturprognose, die im Dezember revidiert wird, dass möglicherweise leichte Korrekturen nach unten erforderlich sein könnten. Um auf die 0,9 Prozent reales Wirtschaftswachstum zu kommen, wie sie das Wifo zuletzt im September vorhergesagt hat, müsste das vierte Quartal 2002 ein Wachstum von 1,5 bis 2 Prozent im Jahresabstand aufweisen, sagte Kramer Anfang November. Die ersten drei Quartale hatten nur ein kumuliertes Wachstum von 0,6 bis 0,7 Prozent gebracht. Zähe Entwicklung Österreichs Konjunktur gewinnt seit Ende 2001 nur langsam an Fahrt, so die OECD am Donnerstag weiter. Die BIP-Zuwächse seien hauptsächlich auf die positive Exportentwicklung zurückzuführen, zumal die Inlandsnachfrage schwach geblieben sei und die Importe gefallen seien. Ab Mitte 2003 werde sich - parallel zur Weltwirtschaft - auch Österreichs Wirtschaft wieder festigen. Die Arbeitslosigkeit bleibe aber weiterhin auf dem Niveau von 5,6 bzw. 5,7 Prozent für heuer und für nächstes Jahr. Erst 2004 rechnet die OECD mit einer Verbesserung am Arbeitsmarkt und geht von einer Arbeitslosenrate in Höhe von 5,3 Prozent aus. Auf Grund der schwierigen Wirtschaftslage habe auch das Budgetdefizit deutlich zugelegt, schreibt die OECD. Belastend haben sich zudem nicht geplante Ausgaben der Länder, deutlich geringere Einnahmen sowie die Flutkatastrophe im Sommer ausgewirkt. Die OECD rechnet daher mit einem Defizit für 2002 von 1,5 Prozent des BIP. Auch für das kommende Jahr sei nur mit einer marginalen Verbesserung zu rechnen, da die bereits beschlossenen Sparmaßnahmen durch zusätzliche Ausgaben teilweise aufgehoben würden. Automatische Stabilisatoren sowie die Rückkehr zu einem mittelfristigen Budgetkonsolidierungskurs sollten jedoch das Defizit bis 2004 wieder unter 1 Prozent bringen.(APA)