Der estische Komponist Arvo Pärt ist nicht nur ein großer christlicher Mystiker. Mit vergleichsweise einfachen Mitteln lässt einem der gute Mann wie im Titelstück dieses aus drei jüngeren Chor- und Orchesterwerken bestehenden Albums auch immer wieder das Blut in den Adern gefrieren. Hier schluchzen die Geigen derart gegen Himmel und wird von Männerchören auf einem Ton stehend in diesem Fall der 121. Psalm so rezitiert, dass man den Verdacht hegt, dass das Christentum auch seine dunklen Seiten haben kann. Um in den Himmel zu kommen, muss man erst unter die Erde. Trotz dem bibelfesten Glauben nichts für schwache Nerven. (DER STANDARD, Printausgabe, 22.11.2002)