Washington - Die Vorfahren der Affen und Menschen sprangen nicht herum, sondern hangelten sich eher langsam an Ästen durch den Wald. Das belegt die Analyse des vollständigsten bisher gefundenen Skeletts eines Primaten-Vorfahren, wie amerikanische Forscher im Fachjournal "Science" (Bd. 298, S. 1006) vom Freitag berichten. Die 55 Millionen Jahre alten, in feinen Kalkstein eingebetteten Knochen wurden im US-Bundesstaat Wyoming gefunden. Das Skelett sei hervorragend erhalten bis auf Teile des Schädels, einzelne Wirbel, Handknochen und einen Unterschenkel, schreiben Jonathan Bloch und Dou Boyer von der Universität von Michigan in Ann Arbor. Es zeigt Merkmale, die es eindeutig in die Vorfahrenreihe der späteren Primaten einordnen lassen, zu denen die Affen und Menschen zählen. So besitzt es Hände und Füße mit Daumen, die zum Greifen abgespreizt werden konnten. Die meisten Zehen des Tieres hatten zwar Klauen, doch dieser Daumen besaß einen für die Primaten typischen flachen Nagel. Das weist es als eine Art "Übergangstier" aus: während einige andere Säugetiere Klauen an allen Zehen besitzen, zeichnen sich Affen und Menschen durch flache Nägel aus, und zwar ebenfalls an allen Zehen und Fingern. Kein aktiver Jäger Andere Merkmale seiner möglichen Nachfahren fehlten der nun entdeckten Art mit dem wissenschaftlichen Namen Carpolestes simpsoni jedoch: so etwa Sprunggelenke und eine Ausrichtung beider Augen nach vorne, die zur besseren räumlichen Erkennung dient. Die zur Seite gerichteten Augen und die schlechten Sprungeigenschaften bedeuten, dass das Tier vermutlich nicht aktiv jagte, schreiben die Forscher. Es kletterte wohl eher im Geäst und ernährte sich von jungen Blättern. Das Skelett werfe neues Licht auf den Ursprung der Primaten, kommentiert Eric Sargis von der amerikanischen Yale-Universität (New Haven/Connecticut) in "Science". Aus dieser Zeit gebe es nur wenige gut erhaltene Fossilien, so etwa aus der Grube Messel bei Darmstadt. (APA/dpa)