Wien - Für die Meinungsforscher David Pfarrhofer (market) und Wolfgang Bachmayer (OGM) hat die letzte TV-Konfrontation aller vier Spitzenkandidaten vor der Nationalratswahl am Sonntag keinen eindeutigen Sieger hervorgebracht. Alle vier Parteichefs hätten die Diskussion genutzt, um ihre Position zu bekräftigen, sagte Pfarrhofer am Donnerstagabend auf Anfrage der APA. Bachmayer meinte, es habe "wenig Kontroversen gegeben - abgesehen von ein paar Mal sichtbaren Funken zwischen Schüssel und Gusenbauer"."Angriffslustig" Jede Person hätte "im eigenen Lager gut abgeschnitten", sagte Pfarrhofer. Dass es keinen Sieger gegeben habe, liege aber vor allem an der Konstellation der "Elefantenrunde". Bei einer Zweierkonfrontation seien wesentlich kontroversiellere Diskussionen möglich. Spannend sei vor allem gewesen, zu beobachten, "wer wen angreift". So habe SP-Chef Alfred Gusenbauer beispielsweise Bundeskanzler Wolfgang Schüssel sehr oft angegriffen. Zwischen diesen beiden hätte es noch die "stärkste Reibelinie" gegeben. Aber auch Grünen-Chef Alexander Van der Bellen sei "sehr angriffslustig" gewesen. FP-Chef Herbert Haupt sei in sofern gut weggekommen, dass er wenig attackiert worden sei. Das sei bei freiheitlichen Spitzenkandidaten in der Vergangenheit meist anders gewesen. "Der Richtige" Für Pfarrhofer war auch auffallend, dass Schüssel bei den Schlussstatements "ganz perfekt" gewesen sei. Hier habe der Kanzler nochmals verdeutlicht, dass er "der Richtige" sei. Auch Van der Bellen sei "nahe an der Realität gewesen", als er das taktische Wahlverhalten angesprochen habe. Bei Gusenbauer sei ihm aufgefallen, dass dieser wieder versucht habe, "Emotionen" zu zeigen. Der "Überraschungseffekt", mit dem er im direkten Duell mit Schüssel gepunktet habe, sei diesmal aber nicht auf seiner Seite gewesen. "Staatsmännisch" Die Bewertung der vier Diskussionsteilnehmer durch Bachmayer fällt durchaus unterschiedlich aus. Schüssel habe "sehr ruhig und überlegt" gewirkt und am ehesten noch mit dem "staatsmännischen Element" gepunktet. Die beste Phase des Kanzlers sei die Debatte über Budget und Schulden gewesen. Genau dabei habe hingegen Gusenbauer "mehrere Frage nicht beantwortet und sich in die bekannten Argumente und Forderungen geflüchtet". Im zweiten Teil der Debatte sei er besser gewesen. Insgesamt habe er aber zurücknehmend agiert und sei etwas untergegangen. "Pfiffig" Van der Bellen habe anfangs auffällig "pfiffig" agiert. Er habe sich offenbar wohler gefühlt als in den Zweierdebatten. "Überrascht hat er vor allem deswegen, weil er bei den Debatten vorher schwach war." Zu Haupt meinte Bachmayer, dieser habe sich "wacker geschlagen". Vor allem in Sachen Pensionen sei er "fast der Beste von allen" gewesen. Insgesamt habe die Debatte vermutlich eine "Bestätigung bestehender Erwartungen und Meinungen" gebracht. Gallup-Umfrage sieht Schüssel als Sieger Anders die Bewertung des Meinungsforschungsinstitutes Gallup. Eine Blitzumfrage weist Bundeskanzler Wolfgang Schüssel als relativ klaren Sieger der letzten TV-Konfrontation aller vier Spitzenkandidaten aus. Für 44 Prozent der 262 Befragten hat Schüssel "alles in allem dem besten Eindruck gemacht". SP-Chef Alfred Gusenbauer kommt auf 32 Prozent, Grünen-Chef Alexander Van der Bellen auf 17 und FP-Chef Herbert Haupt auf lediglich sieben Prozent. Gusenbauer schnitt vor allem bei der Volksnähe gut ab, Van der Bellen bei der Frage, welcher Kandidat am sympathischsten sei. "Handlungsstärke" Bei den meisten Fragen lag aber der Kanzler voran. 40 Prozent wiesen ihm das "beste Auftreten" zu. Auch bei den Fragen nach den "besten Argumenten", der "meisten Handlungsstärke", der "meisten Verlässlichkeit", der "meisten Kompetenz in Sachfragen" oder bei der Frage, welcher Kandidat "am überzeugendsten" gewesen sei, erreicht Schüssel jeweils die besten Werte. Gusenbauer nimmt fast durchwegs den zweiten Platz ein, gefolgt von Van der Bellen. Haupt liegt bei all diesen Fragen auf dem vierten Platz. Nur bei der "Handlungsstärke" liegt er mit neun Prozent knapp vor Van der Bellen (sieben Prozent). "Volksnähe" Eindeutiger Sieger ist Gusenbauer bei der "Volksnähe". Hier sehen ihn 56 Prozent der Befragten vorne. Mit 24 Prozent weist Schüssel bereits einen deutlichen Abstand auf. Van der Bellen kommt hier auf elf Prozent, Haupt auf neun. "Symphathie" In Sachen Sympathie schnitt Van der Bellen am besten ab. Er war für 36 Prozent der sympathischste Kandidat, gefolgt von Schüssel mit 33 Prozent. Gusenbauer kam auf 22 Prozent, Haupt lag mit neun Prozent abgeschlagen auf Platz vier. Aber auch Haupt ist in einem Bereich vorne. 41 Prozent der befragten Zuseher gaben nämlich an, dass sich ihr Eindruck von Haupt durch die TV-Konfrontation verbessert habe. Bei Van der Bellen waren es immerhin 38 Prozent, bei Gusenbauer 23 und bei Schüssel 17 Prozent. Das bedeute allerdings noch nicht, dass sich auch tatsächlich das Wahlverhalten verändert habe, sagte Gallup-Chef Fritz Karmasin dazu. Es komme nämlich darauf an, wie gut oder wie schlecht der Eindruck vor der TV-Runde gewesen sei. Die Befragten sind auch zu 52 Prozent der Meinung, dass die TV-Konfrontation nur einen "sehr schwachen Einfluss" auf ihre Wahlentscheidung haben werde. Lediglich fünf Prozent glauben an einen "sehr starken Einfluss". (APA)