Hamburg - Handschriftliche Aufzeichnungen des Publizisten und Kulturphilosophen Walter Benjamin sind am Donnerstag in Hamburg für 68.000 Euro versteigert worden. Die Papiere sollen nach dem Willen der Kulturstaatsministerin Christina Weiss in das "Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes" aufgenommen werden. Damit dürften sie nicht aus Deutschland ausgeführt werden. Der Name des Käufers wurde nicht genannt. Die Schriften wurden im Auktionshaus Hauswedell & Nolte zu einem Mindestgebot von 12.000 Euro gehandelt. Die Hamburger Kulturbehörde hat die Eintragung der Sammlung in das Verzeichnis bereits eingeleitet. Der Antrag der Staatsministerin musste am Donnerstag jedoch noch bestätigt werden. Demnach müssten die Handschriften zum Schutz wertvoller Kulturgüter in Deutschland bleiben. Viele Bieter störte das bei der Auktion nicht. Mit Steigerungsgeboten von je 2000 Euro erhöhte sich der Preis Schlag auf Schlag. Auktionär Ernst Nolte überreichte den unterlegenen Interessenten provisorisch aus einem Blumenstrauß gezupfte Blüten "als Trostpflaster". Der Käufer war der Auktion per Telefon zugeschaltet. Aus einer "Berliner Kindheit" Die 28 versteigerten Blätter gehören zu Aufzeichnungen zu Benjamins Sammlung "Berliner Kindheit". Diese autobiografische Schrift sowie das bekannte Werk "Berliner Chronik" beschreiben die jungen Jahre des 1892 geborenen Philosophen. Er hatte sie Ende der 30er Jahre geschrieben. Benjamin stammte aus einer großbürgerlichen jüdischen Familie. Ein 1922 veröffentlichter Essay zu "Goethes Wahlverwandtschaften" untermauerte seinen Rang als Literaturkritiker, der Texte zur französischen Lyrik bis zur Sammlung von Gedankenfragmenten wie "Einbahnstraße" (1928) und Hörfunkmanuskripte für Kindersendungen verfasste. Mit einer Überdosis Morphium nahm sich Benjamin 1940 auf der Flucht vor den Nazis das Leben. (APA/dpa)