Berlin - Am Abend des österreichischen Wahlsonntags (24.11.) geht in Berlin die nächste Jelinek-Uraufführung über die Bühne: Die Teile vier und fünf des Prinzessinnen-Zyklus "Der Tod und das Mädchen" werden in den Kammerspielen des Deutschen Theaters inszeniert. Der Abend bietet Theaterfreunden zwei besondere Attraktionen: Erstmals inszeniert Hans Neuenfels einen Text der österreichischen Autorin, und seine Frau Elisabeth Trissenaar spielt "Jackie", eine Figur, deren Vorbild unschwer als Jacqueline Kennedy Onassis zu identifizieren ist. Elfriede Jelinek wird krankheitshalber der Premiere fernbleiben. "Jackie sollte in einem Chanel-Kostüm auftreten, denke ich", schreibt die Autorin in der ersten Regieanweisung zu "Der Tod und das Mädchen IV". Doch trotz des aparten Kostüms sieht Jelinek ihre monologisierende Figur als Schwerarbeiterin. Sie soll ihre toten Kinder und toten Männer "mühevoll hinter sich herschleifen und daher beim Sprechen immer atemloser werden, keuchen, bis sie den Monolog irgendwann abbrechen muß, weil sie nicht mehr kann. Je nach Kondition und Tagesverfassung wird das einmal früher, das andere Mal später sein. Und dann ist der Monolog eben aus und aus." Dass dies bei Neuenfels durchaus auch ganz anders aussehen könnte, weiß die Autorin: "Aber Sie werden ja sicher was ganz anderes machen", lautet ihr Nachsatz. "Jackie, der moderne Prototyp einer Präsidentengattin" Nach Schneewittchen, Dornröschen und Rosamunde - den Protagonistinnen der vor wenigen Wochen in Hamburg uraufgeführten ersten drei Prinzessinnendramen - setzt Jelinek also ihren Zyklus mit weiteren Frauenfiguren fort. "Jackie, als der moderne Prototyp einer Präsidentengattin, hat alles überlebt - Männer, Macht und Marilyn - und triumphiert", so das Deutsche Theater in einer Ankündigung. In Teil V weiden dann Sylvia (Plath) und Inge(borg Bachmann) einen geschlachteten Widder aus, nach den Vorstellungen der Autorin eine äußerst blutige Angelegenheit. "Es geht um Marlen Haushofers 'Die Wand' und darum, dass diese Ikonen der Frauenliteratur wie Bachmann, Plath oder eben Haushofer in eine Situation kommen wie Odysseus auf seiner Fahrt: Weibliche seefahrende Helden. Sie müssen das Blut des Opfertiers trinken, um aus ihrem Schattendasein wenigstens kurz ins Leben zurückkehren zu können", hatte Jelinek kürzlich im APA-Gespräch erläutert, "Die Figuren sind alle weiblich, und natürlich gibt es dabei immer auch meine typischen Selbstironisierungen. Immer wird auch diese Verzweiflung thematisiert, das Bewusstsein der eigenen Lächerlichkeit." (APA)