Jim Pattison ganz links im Bild

In der kanadischen Stadt Vancouver ist der Name Pattison so allgegenwärtig wie das Meer und die Bergkette am Horizont. An den Bushaltestellen, an den Autobussen selber und am Gerüst von monumentalen Werbeplakaten steht unübersehbar "Pattison".

Ganz Vancouver weiß, dass dem kanadischen Unternehmer Jim Pattison auch die Supermarktkette "Overwaitea", die "Save-on-Foods"-Läden und der bekannteste Autohandel in der Gegend gehört. Aber das ist nur ein kleiner Teil von Pattisons weit verzweigtem Konglomerat mit dem Namen The Jim Pattison Group (JP-Group). Diese Gruppe ist die drittgrößte private Gesellschaft Kanadas, wies im vergangenen Jahr einen Umsatz von 5,2 Mrd. kanadischen Dollar (rund 3,6 Mrd. Euro) aus und beschäftigt 25.000 Angestellte.

Der 73 Jahre alte Pattison - Vorsitzender, Konzernchef und alleiniger Aktionär der JP-Group - gilt als viertreichster Kanadier. Das US-Wirtschaftsmagazin Forbes führte Pattison als einen der wenigen Milliardäre auf, deren Nettovermögen im vergangenen Jahr wuchs. Angesichts eines Imperiums von über 50 Firmen dürfte es selbst für den Firmenpatron allerdings nicht immer leicht sein, den Überblick zu behalten.

Enorme Palette

Die JP-Group ist in den unterschiedlichsten Bereichen tätig: Nahrungsmittel, Fischerei, Medien, Transport, Unterhaltung, Verpackung, Werbung, Gebrauchtwagenhandel, Immobilien, Export- und Finanzdienstleistungen.

Pattison sagt, dass er im vergangenen Jahr 265 Tage weg von seinem Zuhause in Vancouver war, weil er in einem der fünf Privatjets zu seinen Gesellschaften auf vier Kontinenten reiste. Pattison gehören auch 20 Radiosender, Kanadas größte Autoleasingfirma und das größte Plakatwand-Werbeunternehmen.

Er ist zudem der größte Verteiler von Büchern und Magazinen im Land und der zweitgrößte in Nordamerika. Das sind beeindruckende Dimensionen für einen Mann aus bescheidenen Verhältnissen. Pattisons Vater wünschte, dass der Sohn Anwalt würde. "Ich wollte aber Gebrauchtwagenhändler sein", erzählt Pattison. Er wurde ein guter Autoverkäufer und konnte vor 41 Jahren seine eigene Firma eröffnen. Doch das genügte ihm nicht. "Ich wollte größer werden - das will ich heute noch", sagt der dreifache Vater. Pattison begann, mithilfe von Banken, Beratern und guten Beziehungen Unternehmen in stetiger Folge aufzukaufen. Entscheidend ist für ihn das Wachstums- und Gewinnpotenzial der Firma, die er kaufen will. Dafür hat er eine gute Nase.

Synergien zwischen Konzerngesellschaften sucht er nicht. "Den Konzern zu erweitern ist meine Leidenschaft", sagt er. "Ich habe keine anderen Steckenpferde." Die JP-Group besitzt heute 3,1 Mrd. kanadische Dollar (rund 2,15 Mrd. Euro) an Vermögenswerten. Das größte Unternehmen in seinem Firmenreich, gemessen am Umsatz, ist die Nahrungsmittelgruppe "Overwaitea" mit über hundert Supermärkten. Doch nicht alle Übernahmen gelangen: Im Juni 2001 wurde er von Londoner Zeitungen als Interessent für das Distributionsgeschäft der britischen W. H. Smith Plc. genannt, doch Pattison zog sich zurück.

"Ich kenne niemanden, der so viele Fehler gemacht hat wie ich", kokettiert er. Nur werden die Irrtümer selten öffentlich: Pattison ist einer der wenigen Unternehmer, denen alle Firmen seines Privatkonzerns zu 100 Prozent gehören. Pattison ist eine Person des öffentlichen Interesses und seit der Expo 1986 in Vancouver, die er leitete, ein über Kanada hinaus bekannter Mann. Diese Weltausstellung machte die unbekannte Westküstenstadt Vancouver weltweit zu einem Begriff.

Nachwuchs

Sein Sohn Jim Junior arbeitet bei Ripley Entertainment in Orlando (USA), einer Unterhaltungskette der Pattison-Gruppe, die ein Buch veröffentlicht, das mit dem Guinness Buch der Rekorde vergleichbar ist. Zu Ripley gehören auch 26 Museen mit bizarren Exponaten, Aquarien, Gruseltheater und 39 weitere Attraktionen auf der ganzen Welt, darunter ein Wachsfigurenkabinett. Was hat Pattison nur bewogen, ein solches Unternehmen zu erwerben? "It's fun!" sagt er - aber vor allem bringt es viel Geld. (Bernadette Calonego/DER STANDARD, Printausgabe, 23./24.11.2002)