Paris - Frankreichs Medien sind sich vor der Nationalratswahl vom Sonntag einig darin, dass die Freiheitlichen mit einer schweren Niederlage zu rechnen haben. "Wenn die Umfragen Recht haben, könnte die Partei von (Landeshauptmann) Jörg Haider zwei Drittel ihrer Wähler verlieren (...). Das heißt 700.000 Stimmen weniger, von denen ein bedeutender Anteil aus der Arbeiterklasse stammt", schreibt die linksunabhängige Tageszeitung "Liberation" in der Samstagausgabe. "Bei den vorangegangenen Parlamentswahlen hat beinahe jeder zweite Arbeiter einen Wahlzettel für Haider in die Urne gesteckt und dadurch die FPÖ zur ersten Arbeiterpartei Österreichs gekürt. (...) Wer bleibt nun in dieser im Verfall befindlichen Partei? Vorrangig Pensionisten, Leute, die den Krieg gekannt haben, bedingungslose Anhänger dieser 'geistigen Gemeinschaft', welche die FPÖ verkörpert", so "Liberation" weiter. Die kommunistische Tageszeitung "L'Humanite" ist überzeugt davon, dass "die rechtsextreme Partei des Kärntner Tribunen (Jörg Haider, Anm.) bei den Wahlen am Sonntag von einem völligen Zusammenbruch bedroht" sei, fügt allerdings hinzu, dass die Konservativen die "populistischen Argumente wieder verwenden". "Die Partei von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, die in den Umfragen vorne liegt, scheint der erste Nutznießer des entschiedenen Rückgangs seines Partners zu sein. (...) Er (Schüssel, Anm.) ist bemüht, sich als einziger "natürlicher Leader" vorzustellen, der die Allianz "Konservative-extreme Rechte" fortsetzt", liest man in dem Artikel. Zum Wahlkampf der Sozialdemokraten meint "L'Humanite": "Aber Alfred Gusenbauer, Spitzenkandidat der SPÖ, und die sozialdemokratischen Führungspersönlichkeiten führen einen sehr vorsichtigen und auf dem Konsens basierten Wahlkampf, weil sie darum bemüht sind, die Tür für eine eventuelle große Koalition (SPÖ-ÖVP) offen zu lassen. Daher mangelt es dem Wahlkampf ganz besonders an Tiefenwirkung, und die Kritiken an der antisozialen, ausländerfeindlichen, die Freiheiten einschränkenden Politik der Regierung sind stark abgedämpft. Zum großen Leidwesen der Grünen, die sich bereits öffentlich überzeugt erklärten, dass ihr potenzieller Partner sich schon für eine Annäherung mit den Konservativen entschieden habe." "Das angekündigte Debakel der Populisten" titelt die Pariser Wirtschafts-Tageszeitung "Les Echos" in der Wochenend-Ausgabe. "Innerhalb seiner eigenen Partei umstritten, gezwungen, sich am Rande des Wahlkampfes zu bewegen, durch seine unablässigen Rückzüge von der politischen Szene, seine Reisen in den Irak und nach Libyen und durch seine ewigen Prahlereien seiner Glaubwürdigkeit beraubt, scheint der Mann zu einer langen Durststrecke verurteilt zu sein", heißt es in dem Artikel weiter. Es bleibe nun zu sehen, ob sich die "Enttäuschten der FPÖ" zur ÖVP oder zur SPÖ hinwenden, schreibt "Les Echos". (APA)