Ab sofort ist Österreich wieder ein normales Land. Wie immer die künftige Regierung aussehen wird - die Ära Jörg Haiders ist vorbei. Die Massenflucht seiner Wähler war das bestimmende Element dieser Wahl. Der Spuk, dass eine Demagogenpartei die Ereignisse bestimmt, das Klima vergiftet, die Regierung vor sich hertreibt und dabei 27 Prozent der Bevölkerung hinter sich weiß, ist vorbei. Der Sonderfall Österreich ist zu Ende. Europäische Normalität ist zurückgekehrt.

Haiders Niedergang hat sich schon länger abgezeichnet, aber jetzt ist er an der Wahlurne, gleichsam vor den Augen der Welt, besiegelt worden. Das Nein der Wähler zu seiner Art von Politik war deutlich. Dagegen verblasst alles andere, die Koalitionsfrage ebenso wie die Frage, ob ein Christdemokrat oder ein Sozialdemokrat den Kanzler macht.

Man muss nur an die Zeit nach der letzten Wahl zurückdenken, als Haiders Bild auf den Titelseiten aller Weltblätter prangte, seine Sprüche überall zitiert wurden und ausländische Bekannte einen möglichst taktvoll, aber unvermeidlich, fragten, was für ein seltsames Ländchen das denn sei, aus dem man komme. Und man zum hundertsten Mal erklären musste, dass nicht alle FPÖ-Wähler Nazis seien, sondern vielfach nur genug hatten von der scheinbar ewigen großen Koalition.

War die Demontierung des Charismatikers aus dem Bärental Wolfgang Schüssels Verdienst? Oder hat der ÖVP-Kanzler, ganz im Gegenteil, den bislang Ausgegrenzten erst salonfähig und damit bedeutungsvoll gemacht? Hat die Regierungsverantwortung der FPÖ die Zähne gezogen? Oder hat Jörg Haider ganz einfach durchgedreht? Darüber ist in den vergangenen Wochen viel und leidenschaftlich diskutiert worden. Egal - das Resultat ist jedenfalls eindeutig.

Während des Wahlkampfs ist es auch zu einer Art Konsens zwischen den Gegnern und den Befürwortern der bisherigen schwarz-blauen Regierung gekommen. "Mit der FPÖ ist kein Staat zu machen" (Copyright Erhard Busek) lautete das Credo der Kritiker, während sich die Anhänger bemühten, die größere Regierungspartei nach Kräften schönzureden. Nach dem Eklat von Knittelfeld hieß die ÖVP-Parole plötzlich: Mit den Knittelfeldern ist kein Staat zu machen. Das war, im Lichte des Vorangegangenen, immerhin etwas.

Natürlich gibt es die FPÖ auch weiterhin, und auch Jörg Haider ist nicht zur Gänze von der Bildfläche verschwunden. Aber das "Projekt Haider", eine Dritte Republik und die Perspektive der Eroberung des Bundeskanzleramtes, ist wohl endgültig vom Tisch. Ab jetzt sind die Freiheitlichen eine kleine rechtspopulistische Partei, wie es deren in Europa etliche gibt. Damit kann man leben.

In den letzten drei Jahren haben die Österreicher einen langen Weg zurückgelegt. Sie haben dazugelernt. Vieles, was im Jahr von Haiders Höhenflug noch gang und gäbe war - lobende Worte für die Nazizeit und offene Hetze gegen Ausländer, Juden, die Europäische Union, -, wäre heute kaum mehr denkbar, auch in der Rest-FPÖ nicht. Die Öffentlichkeit und die Institutionen der Zivilgesellschaft sind hellhöriger geworden. Sie sollten es auch weiterhin bleiben.

Probleme wird es auch nach diesem Wahlergebnis noch genug geben. Aber einen Unterschied zu vorher kann man nicht hoch genug einschätzen: dass im "bürgerlichen" Österreich wieder die traditionellen Konservativen vorn liegen und nicht mehr eine ominöse Führerpartei mit Nazi-Anklängen. Das war ein echter Paradigmenwechsel. Willkommen in einem normalen Land.