Für eine Neupositionierung von Radio Österreich International (ROI) ist am Montag Michael Kerbler, Chefredakteur des ORF-Auslandsradios, eingetreten. Kerbler betonte bei einem Hearing vor Mitgliedern des ORF-Stiftungsrats die Rolle von ROI als "einziges elektronisches Medium mit globaler Reichweite" in Österreich. Mit neuen Partnern aus der Wirtschaft, aber auch mit öffentlichen Geldern, könne ROI "neben dem Kernbetrieb neue Aufgaben erschließen". Kommende Woche soll der Stiftungsrat im Rahmen des Finanzplans für 2003, der massive Einsparungen vorsieht, über das weitere Schicksal von ROI entscheiden. Das von der ORF-Geschäftsführung angegebene Einsparungspotenzial könne er "nicht nachvollziehen", so Kerbler. 175.000 Euro pro Monat betragen seiner Aussage nach die Redaktionskosten. Da die ORF-Spitze versichert habe, dass es zu keinen Kündigungen kommen werde, könne man 2003 maximal drei Angestellte mittels "Golden Handshake" verabschieden. "Im günstigsten Fall liegen wir da bei den angepeilten 500.000 Euro Einsparung, aber wahrscheinlich darunter." Der Grüne Stiftungsrat Wolfgang Zinggl bedauerte in diesem Zusammenhang, dass der Kaufmännische Direktor des ORF; Alexander Wrabetz, nicht beim Hearing anwesend war, "um das auszudiskutieren". Mix aus Geldern von Bund, Ländern, Privatwirtschaft und ORF Für die Finanzierung des Radios, das 2003 ein Budget von 3,3 Millionen Euro veranschlagt hat, schwebt Kerbler ein Mix aus Geldern von Bund und Bundesländern, der Privatwirtschaft und dem ORF vor. Für Tourismus und Außenhandel könne ROI ein interessanter Partner sein, betonte er. Der VP-nahe Stiftungsrat Christian Domany gab allerdings zu bedenken, dass Wirtschaftsunternehmen "auf Grund der nicht vorhandenen Zielgruppe" wohl schwer für werbliche Aktivitäten zu gewinnen seien. "Es gibt ein Werbevermarktungskonzept der ORF-Enterprise aus dem Jahr 2000. Nur, man muss es umsetzen wollen", konterte Kerbler und verwies auf Kooperationen etwa mit der AUA. "Wir dürfen werben." Der SP-nahe Stiftungsrat Karl Krammer vertrat die Ansicht, dass ROI eine "nationale Aufgabe" darstelle. Gefordert sei die Republik, die bis zum neuen ORF-Gesetz für ROI aufgekommen war. Der ORF solle "seine ganze Verhandlungsmacht in die Waagschale werfen, um die österreichische Bundesregierung von der Wichtigkeit dieses Senders zu überzeugen." Zwar gehöre ROI nicht zur Kernkompetenz des ORF "aber er hat sich sehr wohl darum zu kümmern, dass das nicht sang- und klanglos abgeschafft wird", so Krammer. (APA)