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Eine Arbeiterpartei ist die FPÖ nicht mehr. Dazu kommt: Der freiheitliche Parlamentsklub ist personell und finanziell stark ausgeblutet. Im Herbst 1999 war es ein mit Staunen wahrgenommenes Randphänomen: Die Wahlanalysen haben vor drei Jahren ergeben, dass die FPÖ zur führenden Partei der österreichischen Arbeiterschaft geworden war - aber dieses Phänomen hat gerade drei Jahre Bestand gehabt. Der Sozialforscher Fritz Plasser damals, im Oktober 1999: "Ohne Übertreibung als spektakulär kann die wahlpolitische Neuorientierung der österreichischen Arbeiterschaft bezeichnet werden. 48 Prozent der Vor- und Facharbeiter wählten die FPÖ. Für die traditionelle Arbeiterpartei SPÖ entschieden sich nur 31 Prozent der Angehörigen dieser Berufsgruppe. Selbst bei an- und ungelernten Arbeitern ist die FPÖ mit einem Anteil von 45 Prozent zur stärksten Partei geworden." Knapp 38 Monate später sagt Plassers Forscherkollege Peter Ulram: "Die Arbeiterpartei FPÖ und Junge-Leute-Partei FPÖ ist bis auf weiteres eher ein Gegenstand der Geschichte der österreichischen Wahlforschung als der Gegenwart." Zwar hat die FPÖ unter Arbeitern weiterhin einen überproportional hohen Anteil von 15 bis 18 Prozent - die SPÖ hat allerdings ihre Vorherrschaft in bei ungelernten Arbeitern mit 47 Prozent festigen können, bei Fach- und Vorarbeitern sind es mit 37 Prozent immerhin doppelt so viele wie die FPÖ in dieser Gruppe für sich verbuchen kann. Nun fehlt es der FP auch noch an Geld

Die starken Verluste der FPÖ führen aber nicht nur zu einer für die freiheitlichen schmerzhaften Verschiebung der Wählerstruktur - sie kosten sehr unmittelbar Geld: Die Parteifinanzierung ist nämlich unmittelbar an das Wahlergebnis gekoppelt - kurzfristig bei der Erstattung der Wahlkampfkosten, langfristig bei den Mitteln für den Parlamentsklub und für die eigentliche Parteiarbeit. Dabei zählt das Prinzip, dass ein Wahlkampf aus Steuermitteln entsprechend seinem Erfolg honoriert wird. Dafür stehen pro Wahlberechtigtem 1,94 Euro zur Verfügung - nach dem vorläufigen Wahlergebnis wird sich die FPÖ mit einer Wahlkampfkosten-Rückerstattung von rund 1,2 Millionen Euro begnügen müssen. Zum Vergleich: Die ÖVP wird 4,9 Millionen Euro bekommen, die SPÖ 4,3 Millionen und die Grünen rund eine Million - was die tatsächlichen Ausgaben nur zum Teil abdeckt. Diese dürften bei der FPÖ bei knapp vier Millionen Euro gelegen sein. Die jährliche Parteienförderung wird für die FPÖ künftig einen Sockelbetrag von 220.000 Euro ausmachen, der entsprechend dem Wahlergebnis um 1,6 Millionen aufgestockt wird - bisher waren es knapp über vier. Die ÖVP, die bisher gleich viel wie die FPÖ kassiert hat, wird dagegen auf rund sechs Millionen kommen. Bei der Klubfinanzierung für die parlamentarische Arbeit wird die FPÖ von 3,312.000 Euro auf 2,212.000 Euro pro Jahr zurückgestutzt. Der von bisher 52 auf künftig 19 Abgeordnete zusammengeschrumpfte FP-Nationalratsklub wird ohne einige prominente Abgeordnete auskommen müssen: Ihr Mandat verloren haben Gesundheitssprecher Alois Pumberger, Wehrsprecher Wolfgang Jung, Agrarsprecherin Anna Elisabeth Achatz, Ex-Generalsekretär Gerhard Fallent und der jüngste Abgeordnete der letzten Periode, Rüdiger Schender. Auch Gesundheits-Staatssekretär Reinhart Waneck schaffte kein Mandat. Jörg Haider steht auf Platz 15 der Landesliste und hat keine Chance auf ein Mandat, es sei denn, alle vor ihm Gereihten lassen sich streichen. (Conrad Seidl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.11.2002)