Der Vontobel US Value Equity ist eigentlich ein typischer Value Fonds. Der Fondsmanager, Edwin Walczak, hält von der Unterscheidung in verschiedene Investmentstile aber nicht sehr viel: „Value oder Growth, Big- oder Small-Cap. Das spielt für mich alles keine Rolle. Wir suchen Wachstum zu einem günstigen Preis.“ Andere Fondsgesellschaften gehen etwa einen ganz anderen Weg und unterteilen die beiden bestehenden Investmentstile noch weiter bis sie zu noch mehr Unterscheidungen kommen. Nur ein Marketinggag um neuen Fonds zu kaufen? Dem stimmt Edwin Walczak ebenso zu wie den Aussagen von Warren Buffet: „Warren ist auf lange Sicht der Beste. Während ich nur 85 Prozent über meine gehaltenen Positionen weiß, kennt Warren 99 Prozent.“ Aber diese 85 Prozent liegen anscheinend schon weit über dem Durchschnitt der Konkurrenz, denn bei einem Gespräch über seine Einzeltitel gibt sich Walczak keine Blöße. Wie viele gute Aktien gibt es überhaupt? Zusammenfassend nennt er dann noch die Kriterien für die Auswahl seiner Aktien: - Kann das Unternehmen Eintrittsbarrieren für Konkurrenten aufbauen? - Gibt es Elemente einer Franchise? - Produkte und Dienstleistungen werden nicht überflüssig - Dominanter Marktanteil - Hohe Beteiligung der Manager - Erfolgreicher Track-Record der Manager - wurde shareholder value geschaffen? - Nachhaltiger freier Cash Flow - Gesunde Bilanz - Aktienrückkaufprogramme Allzu viele Unternehmen werden seinen Vorgaben aber nicht gerecht. „Wir sprechen hier über ein langfristiges Investmentuniversum von etwa 100 Firmen“. In sein Portfolio dürfen aber nur die Besten: derzeit 29. Portfolio bleibt weiterhin recht konstant Und viel ändert Edwin Walczak daran auch nicht. Seit Juni haben sich etwa folgende Änderungen ergeben: Der hohe Cash Anteil von 10 Prozent liegt aktuell nur noch bei 1,6 Prozent. Neu hat er Liz Claiborne, Polo Ralph Lauren (Retail), Universal Health Services (Health Care), Walt Disney und Interpublic Group (Multimedia), Kroger (Grocery), Mc Donald´s (Food) und American Express (Diversifies Finacials) in sein Portfolio aufgenommen. Verkauft wurde dagegen nur Hershey, ACE Ltd., EDS und California Center Bank of L.A. Bei dem letzten Unternehmen blieb er etwa seinem Prinzip treu: „Jede Position unter 1 Prozent des Fondsvermögens ist ein Non-Statement des Fondsmanagers“ (California Center Bank of L.A hatte 0,8 Prozent). Der extrem hohe Anteil an Financials bleibt dabei auch bestehen. Gegenüber dem September 2001 hat sich dieser jedoch von fast 75 Prozent auf 66 Prozent verringert. Retail und Multimedia gefallen ihm dagegen wieder besser. USA: „Pensionskassenproblem erschreckt mich nicht“ Auf die aktuelle Pensionskassenproblematik in den USA (ein Großteil der Top-500 Firmen weisen eine teilweise extreme Unterdeckung ihrer Pensionskassen auf) reagiert er aber gelassen: „Dieses Problem ist längst bekannt und erschreckt mich nicht, da es in den Griff bekommen werden kann.“ Fazit Am Schluss erzähl Walczak dann noch, warum er selbst den Fonds erst vor 2 Wochen gekauft hat: „Er war mir zu diversifiziert. 8-10 Einzeltitel würden mir vollkommen ausreichen, nach Luxemburger Recht muss ich aber mindestens 17 im Portfolio halten.“ Aktuell bietet sich aber laut Walczak ein so attraktiver Einstiegszeitpunkt, dass dieses Manko in den Hintergrund tritt. Eine kantige Aussage eines mutigen Fondsmanagers, der im Jahr 2000 den S&P 500 um etwa 38 Prozent und 2001 um 15 Prozent outperformt hat…