Lausanne - Der Westschweizer Kanton Waadt (Vaud) verzichtet bis 30. April 2003 auf die Abschiebung von so genannten "Sans papiers", Ausländern ohne Aufenthaltsgenehmigung, die sich seit sechs Jahren in dem Kanton befinden. Bis dahin soll eine Arbeitsgruppe eine Globallösung erarbeiten. Mit dem Moratorium will die Kantonsregierung in Lausanne ein Klima des Vertrauens schaffen, teilte der Waadtländer Staatsrat am Montagabend mit. Das Moratorium gilt nicht für Personen, für die eine gerichtliche Ausschaffungsverfügung vorliegt. Die Regierung des Kantons hat zudem eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich mit den Themen Schwarzarbeit, Einschulung, Situation der Frauen und Kriterien der Regularisierung befassen soll. Die Arbeitsgruppe setzt sich aus Vertretern des Kantons, der Stadt Lausanne, der Sozialpartner und von "Sans-papiers"-Organisationen zusammen. Mit diesem Vorgehen antwortet der Kanton auf die zahlreichen Vorstöße in diesem Bereich. Die Zahl der "Sans papiers" wird in der Waadt auf 10.000 bis 20.000 geschätzt. Die Gruppierung "En quatre ans on prend racine" (In vier Jahren schlägt man Wurzeln) hatte letztes Jahr vorübergehend eine Kirche in Lausanne besetzt. Mit 50,1 Prozent nach Stimmen und 12,5 gegen 10,5 nach Kantonen und Halbkantonen lehnten die Schweizer am Sonntag eine Vorlage der rechtspopulistischen Schweizerischen Volkspartei (SVP) ab, laut der Flüchtlinge ohne Asylverfahren hätten abgeschoben werden können, sofern sie aus einem sicheren Drittstaat ins Land kommen. Da die Schweiz von solchen Staaten umgeben ist, hätte dies - mit dem faktischen Ausschluss des Landweges - rund 95 Prozent der derzeitigen Asylbewerber betroffen. (APA/sda)