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Russische MIG-29 beim Üben

foto: reuters/garanich
Wien - In der Radiosendung "Von Tag zu Tag" schwankte der SPÖ-Politiker Josef Broukal am Dienstagnachmittag zwischen journalistischer Professionalität und politischer Linientreue: In der Diskussion bezeichnete er den amerikanischen Kampfjet F- 16 Fighting Falcon als "das beste" Kampfflugzeug der Welt und meinte, wenn Österreich überhaupt einen neuen Abfangjäger beschaffen müsse, dann brauche es doch nicht gleich der Teuerste zu sein. Das zielt auf den Eurofighter, das von vier europäischen Partnerländern entwickelte und von EADS vermarktete Universalflugzeug der europäischen Luftwaffen, das im Juni vom Ministerrat ausgewählt worden ist. Bestellt ist es allerdings noch nicht - und im Zuge der Regierungsverhandlungen versuchen auch andere Anbieter, ihre Flieger wieder zu positionieren. Lockheed-Martin hat schon in den letzten Monaten versucht, den Entscheidungsprozess zugunsten seiner F-16 neu aufzurollen - die F-16 wäre vor allem als generlaüberholte MLU-Version attraktiv. Saab versucht es neuerlich mit dem Gripen. Dieses Flugzeug ist kürzlich von der tschechischen Regierung abbestellt worden - die Schweden sind daher umso bemühter, den Gripen anderswo zum Standard zu erheben. Für den Gripen spricht, dass er in der SPÖ heimliche Fürsprecher hat. Und dass es für dieses Flugzeug auch ein Leasing- Angebot über 18 Flugzeuge gäbe, für die Österreich im Lauf von zehn Jahren 600 Millionen Euro zahlen müsste. Das würde bedeuten, dass die SPÖ formell ihre Wahlversprechen halten könnte. Der Abfangjäger Eurofighter könnte wie versprochen "abbestellt" werden, es würde auch kein anderer "gekauft", sondern bloß geleast. Aus Russland wird in der nächsten Woche ein Angebot über 30 MiG-29 zum Preis von einer Milliarde Euro (teilweise durch Tilgung ohnehin nur mehr schwer einbringlicher Russland-Kredite) erwartet. Von Russland dürfte sogar ein Staatsvertrag angeboten werden, der die Versorgungssicherheit mit Ersatzteilen (ähnlich wie bei Erdgas) über alle politischen Unsicherheiten hinweg garantiert. Im Verteidigungsministerium will man von alledem nichts wissen. Dort gelten die im Sommer mit EADS eröffneten Verhandlungen über den Eurofighter als die einzig gültigen. Tatsächlich sei der Eurofighter nach wie vor das technologisch höchststehende und industriepolitisch interessanteste Angebot, erklärt Georg Mader, Korrespondent von Jane's Defence Weekly, dem STANDARD. Allerdings zweifelt Mader daran, dass es in der österreichischen Politik das nötige Bewusstsein für die Teilnahme an einem derartigen Entwicklungsprojekt gebe: So lange heimische Politiker behaupteten, beim Eurofighter handle es sich um einen "Kampfbomber", hätte sich die Politik zu wenig mit dem Flugzeug auseinander gesetzt. Tatsächlich ist für den Eurofighter eine "air-to-ground- capability" vorgesehen; dies aber erst für die dritte Lieferung, "batch 3", deren Beschaffung derzeit von der deutschen Regierung wegen ihrer Budgetprobleme infrage gestellt wird. Werden aber weniger Jets bestellt, wird das einzelne Stück teurer - und zwar nicht nur bei der Beschaffung, sondern auch bei der notwendigen kontinuierlichen Weiterentwicklung. ( Conrad Seidl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.11.2002)