Berlin - Bei einem militärischen Angriff der USA auf Irak können die Vereinigten Staaten nach der Zusage von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ihre wichtigen Stützpunkte in Deutschland nutzen: Eine bedeutende Rolle dürfte die Luftwaffenbasis Ramstein in Rheinland-Pfalz spielen. Ramstein bildet mit rund 9000 dort stationierten NATO-Soldaten nicht nur den größten NATO-Flugplatz, er ist auch der größte US-Luftwaffenstützpunkt außerhalb der USA. Die US-Luftwaffe in Europa (USAFE) befehligt aus ihrem dortigen Hauptquartier 73.000 Militärs und Zivilisten in verschiedenen europäischen Standorten. Ramstein ist zudem Basis der "86th Airlift Wing", deren Aufgabe es ist, mit schweren Transport- und Tankflugzeugen Truppen und Gerät in den Nahen Osten und nach Afrika verlegen zu können. Unter dem Kommando Ramstein steht auch die Luftwaffenbasis in Spangdahlem in der Eifel mit der "52nd Fighter Wing", die über zahlreiche Kampfflugzeuge verfügt. Die auf dem Flughafen in Frankfurt am Main stationierte US-Transporteinheit "469th Air Base Group" wurde inzwischen weitgehend deaktiviert. Die Landebahn wird nur noch als Ausweichmöglichkeit für die Basis Ramstein genutzt und soll Ende 2005 an die Bundesrepublik zurückgegeben werden. Das Oberkommando über alle in Europa stationierten US-Streitkräfte hat das US EUROPE COMMAND (USEUCOM) mit Sitz in Stuttgart/Vaihingen; es ist außerdem das einzige der vier US-Oberkommandos, das nicht auf dem Territorium der Vereinigten Staaten liegt. Die USEUCOM hat die Aufgabe, Truppen bereitzustellen, die allein oder gemeinsam mit Verbündeten in Europa, Afrika und dem Nahen Osten eingesetzt werden können. Sein Verantwortungsbereich ersteckt sich vom Nordkap bis zum Kap der Guten Hoffnung über 89 Länder Europas und Afrikas; dazu kommen mit Türkei, Syrien, Libanon und Israel vier Staaten in Nachbarschaft zum aktuellen Krisengebiet. Der USEUCOM sind neben dem Luftwaffenkommando in Ramstein auch die Bodentruppen der US-Armee in Europa (USAREUR) unterstellt. Die USAREUR hat ihr Hauptquartier in Heidelberg und befehligt 69.400 Soldaten in Deutschland und Italien. Die größte Einheit ist das "V Corps" in Heidelberg mit dem Kommando über 42.000 Soldaten und Zivilisten. Das Corps ist ausgebildet für Einsätze im Nahen Osten und am Persischen Golf. Überdies sind in Wiesbaden eine gepanzerte Division und in Würzburg eine Infanteriedivision der US-Armee stationiert. Sie stehen ebenso unter dem Kommando des Heidelberger Hauptquartiers wie die im baden-württembergischen Böblingen stationierten US-Marine Forces (MARFOREUR) mit rund 3330 zugeordneten Soldaten. In Landstuhl bei Ramstein betreiben die USA überdies das größte Militärkrankenhaus außerhalb der Vereinigten Staaten. Im "Landstuhl Regional Medical Center" arbeiten rund 1200 Menschen, unter ihnen mehr als hundert Ärzte und rund 250 Krankenschwestern. Das Krankenhaus hat 150 Betten zur Intensivbehandlung, in Notfällen kann diese Zahl auf bis zu 300 Betten aufgestockt werden. Das Medical Center verfügt heute über modernste Elektronik für die so genannte Telemedizin. Ärzte des Zentrums leiten dabei über Video-Konferenzen und per Satellit schwierige Operationen in anderen US-Militärkrankenhäusern wie etwa in Italien. Während des Golfkrieges von 1991 wurden mehr als 4000 verletzte US-Soldaten nach Landstuhl ausgeflogen. (APA)