Wien - Auf der Ausschluss-Liste der FPÖ stehen Karl-Heinz Grasser, Peter Westenthaler, Helmut Haigermoser, Alois Pumberger, Martin Kreßl, Hans-Jörg Schimanek und Franz Lafer. Mit Finanzminister Karl-Heinz Grasser (33) will die FPÖ den derzeit wohl beliebtesten Politiker Österreichs aus ihrer Partei ausschließen. Der Distanzierung von der FPÖ erfolgte in mehreren Etappen. Zunächst wollte der Finanzminister den Kurs der freiheitlichen Parteibasis in Sachen Steuerreform nicht mittragen und trat gemeinsam mit Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer und Klubobmann Peter Westenthaler zurück. Zum endgültigen Bruch hat dann der Wechsel Grassers ins "Kompetenzteam" des ÖVP-Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel geführt. In der FPÖ war Grasser seit 1992. Der ÖVP trat er zwar nicht bei, stellte seine FPÖ-Mitgliedschaft aber "ruhend". Dieser Schritt war zunächst auch mit Parteichef Herbert Haupt abgesprochen. Als junger Haider-Günstling machte er zunächst eine Bilderbuch-Karriere, die ihn über das Generalsekretariat in Wien hin zum Landeshauptmann-Stellvertreter in Klagenfurt führte. Nach einem Krach mit Haider ging er 1999 zum Magna-Konzern von Frank Stronach als Unternehmens-Sprecher. Anfang 2000 kehrte er als Finanzminister in die Politik zurück. Mit Peter Westenthaler (35) soll auch ein langjähriger Getreuer von Haider aus der FPÖ ausgeschlossen werden. Mit dem Scheitern von Parteiobfrau Susanne Riess-Passer hatte sich Westenthaler aus der Politik zurückgezogen und seine Funktion als Klubobmann zurückgelegt. Im Wahlkampf wollte er sich nicht mehr engagieren - was ihm nun zum Verhängnis wurde. Derzeit ist Westenthaler als Bundesliga-Vorstand im Gespräch. Westenthaler galt jahrelang als Sprachrohr Jörg Haiders. Der FPÖ trat er 1988 bei. Zunächst Pressesprecher, dann Generalsekretär und letztlich Klubobmann - jeweils stand er an vorderster Front, um die Freiheitlichen und vor allem ihre Leitfigur wortreich und -gewaltig zu verteidigen. Der Bruch mit Haider hatte sich dann aber bereits im Frühjahr abgezeichnet. Helmut Haigermoser (62) ist ein freiheitliches Urgestein: Seit 1961 Parteimitglied, war er fast 20 Jahre für die FPÖ im Parlament. Dort war er zuletzt Mittelstandssprecher. Im Februar schied er aus dem Nationalrat aus. Haigermoser ist allerdings weiterhin als stv. Präsident der Salzburger Wirtschaftskammer und als Obmann des Ringes Freiheitlicher Wirtschaftstreibender Salzburg (RFW) tätig. Für seinen Ausschluss aus der FPÖ war ein Artikel in der Monatszeitschrift "Standpunkte" verantwortlich, in dem die FPÖ nach dem Putsch von Knittelfeld nicht gut wegkam. Mit Alois Pumberger (52) soll einer der entschiedensten Gegner der so genannten "Knittelfelder" aus der FPÖ ausgeschlossen werden. Parteichef Herbert Haupt hatte ihm gestern vorgeworfen, sich nicht an die Spielregeln der FPÖ gehalten zu haben. Pumberger gilt als Anhänger des Kurses von Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer und trat zuletzt als scharfer Kritiker Jörg Haiders in Erscheinung. Der praktische Arzt Pumberger war zuletzt Gesundheitssprecher der FPÖ im Parlament und ist auch Bezirkshauptmann der Freiheitlichen in Ried im Innkreis. In der FPÖ ist er seit 1975. Bei der Wahl verlor er sein Mandat. Der Oberösterreicher Martin Kreßl (43) ist ein reiner Kommunalpolitiker. Kreßl ist Gendarmeriebeamter, FPÖ-Bezirksobmann in Gmunden und seit 1997 Landtagsabgeordneter. Gemeinsam mit Alois Pumberger machte er in Oberösterreich gegen Ex-Landesparteichef Hans Achatz mobil. Nach dem Scheitern der schwarz-blauen Bundesregierung trat er auch als entschiedener Gegner von Ex-Parteichef Jörg Haider in Erscheinung. In der FPÖ ist er seit 1990. Bezirksobmann in Gmunden ist Kreßl seit 1993. Hans-Jörg Schimanek (62) ist ein freiheitlicher Späteinsteiger. Lange Jahre war er SP-Mitglied, später mit der Bürgerliste OPAL in seiner Wahlheimat Langenlois auch erfolgreicher Lokalfunktionär. Der Öffentlichkeit bekannt wurde Schimanek aber in erster Linie durch seine langjährige Mitarbeit in der ORF-Bürgerservicesendung "Argumente". 1993 folgte dann der endgültige Wechsel in die Politik. Schimanek wurde Quereinsteiger der niederösterreichischen Freiheitlichen bei der Landtagswahl und in der Folge sogar Landesrat. Die Turbulenzen in der Affäre Rosenstingl ließen Schimanek im Jahr 1998 sogar zum Landesparteiobmann aufsteigen. Ein Jahr später wich er Ewald Stadler in der Landesregierung, behielt vorerst aber den Parteivorsitz. Dieser wanderte 2000 zu Ernest Windholz. Im Juni verabschiedete sich Schimanek gänzlich aus dem Landtag. Seit 2001 ist er Bezirksrat in Wien-Floridsdorf. Der frühere Landtags-Klubchef Franz Lafer (44) ist in der Steiermark vom Parteiausschluss bedroht. Lafer hatte von 1994 bis 1999 dem Nationalrat angehört. Dort blieb der 1993 der FPÖ beigetretene Gendarm vor allem mit seiner Warnung vor einer "Umvolkung" in Wien in Erinnerung. Im Herbst 2000 errang er ein Mandat im steirischen Landtag. Im Chaos nach der Landtags-Wahlschlappe war er damals zunächst Kandidat für den Landesobmann. Im Gegenzug für seinen freiwilligen Rückzug wurde er dann Klubobmann im Landtag. Als solcher hat er im FPÖ-Match dieses Jahres die Linie von FPÖ-Chefin Susanne Riess-Passer unterstützt. Schon vor der Nationalratswahl hatte er dieses Amt zwecks Einsatz im Wahlkampf ruhend gestellt. Nach dem Absturz beim Urnengang trat er dann als Klubchef zurück: " Ich bin nicht bereit, für die Putschisten von Knittelfeld noch den Klubobmann zu machen." (APA)