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Vorarlbergs FPÖ-Chef Hubert Gorbach: "Haider soll den Weg frei machen"

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Vorarlbergs FPÖ-Chef Hubert Gorbach fordert Jörg Haider auf, sich aus der Bundespolitik zurück-zuziehen. Die FPÖ habe Wichtigeres zu tun als Parteiausschlüsse, sagt er im Gespräch mit Eva Linsinger.
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STANDARD: Wie kommentieren Sie die FPÖ-Säuberungswelle? Gorbach: Geschlossenheit ist wichtig. Das Hauptaugenmerk ist aber auf Stabilisierung der FP zu richten, nicht auf Ausschlüsse. Wir haben Wichtigeres zu tun: uns geschlossen und regierungsfähig zu zeigen. Natürlich können wir uns nicht öffentlich bekriegen. Aber in der wichtigen Stunde sind persönliche Interessen hintanzustellen. Die Ausschlüsse werden ein Wink mit dem Zaunpfahl gewesen sein. STANDARD: Warum kündigt man Ausschlüsse an, wenn man sie nicht durchführt? Gorbach: Die Situation am Montag im Präsidium war ernst. Da war es wichtig zu signalisieren, es muss Schluss sein mit den öffentlichen Kritiken. Man sieht ja, wie die Rechnung ausschaut - furchtbar. Wenn man nach so einer Wahlniederlage nicht zur Tagesordnung übergeht, muss man sich zusammenreißen und geschlossen auftreten. STANDARD: Die Ausschlüsse waren also nur ein Schuss vor den Bug, keine realen Ausschlüsse? Gorbach: Ganz genau so sehe ist das. Auf keinen Fall sollten weitere Schüsse vor den Bug kommen - aber auch keine Anlässe dazu. Es soll sich jeder mit Kritik zurückhalten. STANDARD: Haider hat oft öffentlich kritisiert. Gorbach: Ich will nicht in der Vergangenheit wühlen. In Zukunft muss die Geschlossenheit für alle klar sein. STANDARD: Ihre Vorarlberger FP sagt, Haider soll sich bundespolitisch zurückziehen. Wieso? Gorbach: Weil wir Realpolitiker sind. Und weil wir wieder eine Regierungsbeteiligung anstreben. Und das wird nur möglich sein, wenn Haider keine Funktionen auf der Bundesebene einnimmt. STANDARD: Mit Haider gibt es keine Regierungsbeteiligung? Gorbach: Das ist nun einmal so, da kann man philosophieren, wie gerecht das ist - aber wenn Haider in einer Bundesfunktion ist, wird die ÖVP Schwarz-Blau intern nicht durchbringen. Haider soll den Weg frei machen. STANDARD: Viele in der FPÖ wollen aber in die Opposition. Gorbach: Wir können uns in der Regierung besser konsolidieren und profilieren. Wir haben gut gearbeitet - das zerrüttete Bild, das wir abgegeben haben, war schuld an der Wahlschlappe. STANDARD: Bemühen Sie sich, Riess-Passer zurückzuholen? Gorbach: Jeder, der es gut meint mit der FPÖ, sollte sich darum bemühen. STANDARD: Könnte Karl-Heinz Grasser mitregieren? Gorbach: Sicher. Dazu sage ich ganz pragmatisch: Wenn ich mich mit einem ÖVPler auf ein Programm einigen kann - dann kann ich das auch mit jemand, der mir ideologisch nach wie vor viel näher steht. Verzeihen gehört zu den guten Gaben des Lebens. Wiewohl ich sehr irritiert war - besonders über Grassers Auftritt mit Schüssel in einer entscheidenden Wahlkampfphase. Ob Grasser austritt, muss er selbst entscheiden. Aber wir sind in einer Phase, wo man das Gemeinsame über das Trennende stellen sollte. STANDARD: Also werden die Ausschlüsse gegen Grasser und Co zurückgenommen? Gorbach: Man muss sie nicht zurücknehmen. Man kann sie auch einfach nicht exekutieren. (DER STANDARD, Printausgabe, 28.11.2002)