Karlsruhe - Countdown für das weltweit erste echte "virtuelle Museum". Das Badische Landesmuseum und das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe gaben am Mittwoch den ersten kleinen Teil einer neuen Internetplattform frei, über die sich Museumsbesucher demnächst auf angeblich bisher noch nie da gewesene Weise im Netz mit einer kompletten Sammlung beschäftigen können. Die Museumsleitung und das ZKM nannten das Projekt "weltweit einzigartig". Als "Appetitanreger" ist ab sofort unter "www.tuerkenbeute.de" eine Kostprobe des Projekts im Internet abrufbar. Ab März 2003 soll ein Großteil der so genannten "Türkenbeute" des Badischen Landesmuseums im Internet zugänglich sein - quasi als "globales Zweigmuseum". Die Schätze des osmanischen Reiches brachte Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden aus den Türkenkriegen 1683-1691 mit. Die Hälfte der gut 300 Objekte wurden mit ausgeklügelten Bildaufnahme-Technologien fotografiert, um sie im Internet interaktiv zugänglich zu machen. Auf dem Bildschirm können viele der Prunksättel, Rüstungen oder Panzerkappen durch freies Drehen von allen Seiten betrachtet werden. Durch Zoomen können zudem Details bis zu 800fach vergrößert werden, was im Museum nicht möglich ist. "Wir haben die bekannten Technologien bis aufs Äußerste ausgereizt", so der Projektleiter Thomas Fürstner vom ZKM. Für die inhaltliche Aufbereitung ist das Badische Landesmuseum zuständig, für die technologische Umsetzung das ZKM. Die Landesstiftung Baden-Württemberg finanziert das Projekt bis zum März 2003 mit 750.000 Euro. Das "virtuelle Museum" sei mehr als ein digitalisierter Ausstellungsrundgang, wie ihn auch andere Museen schon hätten. Vielmehr handele es sich um eine Präsentations-, Wissens- und Kommunikationsplattform, die es in dieser Form noch nicht gebe, hieß es. Geplant seinen mehrere inhaltliche Zugänge wie zum Beispiel Themenreisen für Erwachsene oder Rätselreisen für Kinder. Peter Weibel, der österreichische ZKM-Chef, sprach am Mittwoch von einem "kulturellen Leitprojekt". (APA/dpa)