Trotz heftiger Proteste stellt die deutsche öffentlich-rechtliche Fernseh- und Rundfunkanstalt ARD vom Jänner kommenden Jahres an die muttersprachlichen Hörfunk-Programme für Ausländer als "Gemeinschaftsaufgabe" ein. Die einzelnen Anstalten werden künftig ihre "Integrationsprogramme" individuell neu organisieren, beschlossen die ARD-Intendanten am Mittwoch auf ihrer Sitzung in Köln. Die Gesamtaufgabe werde aufgelöst, aber das Engagement lasse nicht nach, sagte der Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR) und scheidende ARD-Vorsitzende Fritz Pleitgen. "Wir werden eher mehr als weniger anbieten." Insgesamt sendet die ARD für Hörer, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, in fast 20 Sprachen. Dafür gab es bisher einen gemeinsamen Finanzierungstopf. Ausgestiegen Der Südwestrundfunk (SWR), der künftig nur noch Sendungen auf Deutsch für Ausländer anbieten will, war jedoch aus der Gemeinschaftsaufgabe ausgestiegen. Andere Sender wollten ebenfalls kündigen. Da sich bereits vorher einige Rundfunkanstalten nicht an den muttersprachlichen Programmen beteiligt hätten, sei die Basis für eine Fortsetzung der Gemeinschaftsaufgabe nicht mehr ausreichend gewesen, hieß es in Köln. Mehrere Landesrundfunksender seien jedoch bereit, ihre Fremdsprachenprogramme weiterhin auszutauschen. Gegen die Einstellung der "Gemeinschaftsaufgabe" hatten unter anderem der Bundesausländerbeirat als Dachorganisation kommunaler Ausländerbeiräte sowie Zuwanderer-Organisationen protestiert. Der WDR kündigte an, seine bisherige muttersprachliche Sendungen zu Jahresbeginn um Arabisch und Portugiesisch zu erweitern. Damit würden alle größeren Migrantengruppen in Nordrhein-Westfalen berücksichtigt. Stabwechsel Unterdessen steht in der ARD ein Stabwechsel bevor. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) übernimmt im kommenden Jahr unter Vorsitz von Intendant Jobst Plog turnusmäßig die ARD-Geschäftsführung. Das beschloss die ARD-Hauptversammlung - die Konferenz der Intendanten und Gremienvorsitzenden des Senderverbunds - in Köln. Der NDR übernimmt den ARD-Vorsitz vom WDR. Die ARD-Geschäftsführung eines Senders ist jeweils auf ein Jahr befristet, wobei in der Regel um ein weiteres Jahr verlängert wird. (APA/dpa)