Prag - In Tschechien ist die Debatte, ob der Nachfolger von Staatspräsident Vaclav Havel wieder vom Parlament oder direkt vom Volk gewählt werden soll, endgültig abgeschlossen worden. Das Prager Abgeordnetenhaus wies Entwürfe für eine Verfassungsänderung, die eine Direktwahl möglich gemacht hätten, mit knapper Mehrheit zurück. "Es ist nicht richtig, irgendwelche Experimente zu machen, welche die Wahl des Präsidenten abwerten würden", meinte der sozialdemokratische Ministerpräsident Vladimir Spidla. "Der Übergang zur Direktwahl ist viel komplizierter als die Abänderung von ein oder zwei Paragrafen".Direktwahl hätte Klaus genützt Spidlas Partei (CSSD) ist zwar im Prinzip für eine Volkswahl des Staatsoberhauptes, sie will aber die erforderlichen Gesetzesänderungen nicht unter Zeitdruck durchführen. Havels Mandat läuft am 4. Februar 2003 aus. Die Debatte um den Wahlmodus flammte vor zwei Monaten auf, nachdem die oppositionelle konservative Demokratische Bürgerpartei (ODS) von Vaclav Klaus überraschend ihre zuvor strikt ablehnende Haltung völlig geändert und eine entsprechende Initiative vorgelegt hatte. Die ODS machte dabei keinen Hehl daraus, dass das Ziel dieses plötzlichen Meinungsumschwungs ganz klar war: Klaus solle als neuer Präsident in die Prager Burg einziehen. Bei einer direkten Wahl wären seine Aussichten viel größer gewesen. Ungewisser Zeitplan Im Parlament laufen unterdessen so wie so schon seit mehreren Tagen die Vorbereitungen auf eine gemeinsame Sitzung beider Kammern - des Unterhauses und des Senats -, bei der das neue Staatsoberhaupt gewählt werden soll. Der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses, Lubomir Zaoralek, stellte den 15. Jänner als Termin in Aussicht, wobei bisher keine besonders lauten Einwände dagegen zu hören waren. Die Wahl des Präsidenten muss im Zeitraum von 30 Tagen vor dem Ablauf des Mandats des amtierenden Staatsoberhaupts stattfinden. Obwohl es nur noch wenige Wochen bis zur Wahl sind, gibt es weiterhin keinen klaren Favoriten. Die Aussichten von Klaus wurden mit der Ablehnung der Direktwahl geschmälert, auch wenn seine Partei aus den kürzlichen Teil-Senatswahlen als eindeutiger Sieger hervorgegangen ist und die ODS im Senat die stärkste Fraktion stellt. Deutlich gesunken sind die Aussichten des Kandidaten der mitregierenden christdemokratischen Volkspartei (KDU-CSL) und amtierenden Senatspräsidenten Petr Pithart. Seine Partei erlitt bei den Teil-Senatswahlen eine Niederlage, so dass der Willen innerhalb der Regierungskoalition, ihn zu unterstützen, gesunken ist. Ein großes Fragezeichen steht weiterhin hinter der Entscheidung, wen die Sozialdemokraten aufstellen. Diese wollen ihren Kandidaten erst Anfang Dezember nominieren, nachdem die innerparteiliche Meinungsbildung über die vier Kandidaten abgeschlossen ist. Diese Abstimmung, an der in den Partei-Sekretariaten auch die Öffentlichkeit teilnehmen konnte, wird aber als unverbindlich betrachtet. Die letzte Entscheidung liegt bei der CSSD-Spitze. Vielleicht war dies auch der Grund dafür, dass das "Partei-Referendum" nur minimales Interesse weckte. Nach unbestätigten Medienberichten hat der ehemalige Regierungs- und Parteichef Milos Zeman die Abstimmung gewonnen. Dieser will aber erst antreten, falls sich das Parlament auf keinen anderen Kandidaten einigen kann. Als CSSD-Kandidaten kommen drei weitere, parteilose Personen in Frage - der Ombudsmann Otakar Motejl, der frühere Justizminister in der Zeman-Regierung, Jaroslav Bures, und der Soziologe Martin Potucek. Gerade Motejl werden nun relativ gute Aussichten beschieden, wobei auch einige andere Parteien schon ihre eventuelle Bereitschaft signalisierten, ihn in einer bestimmten Etappe der Wahl im Parlament zu unterstützen. Die Wahl des Präsidenten sieht bis zu drei Durchgänge vor. (APA)