Wien - „Atlantik Mann“ (1981) ist der Text für den gleichnamigen Film, von Marguerite Duras selbst über eine hauptsächlich schwarze Leinwand gesprochen. Es handelt sich um einen Abschiedstext, eine Frau nimmt Abschied von einer geliebten Person. Die Frau ist bei stürmischen Wetter ans Meer gegangen, an einen einsamen und verlassenen Strand und setzt sich hier dem Wind, der Brandung, dem Regen und ihren Erinnerungen aus. In einer grossen Abschiedszeremonie verwischen sich Erinnerungen, neue Perspektiven entstehen und in der unheimlichen Weite des Meerraumes verliert sich allmählich der Schmerz.

Liebe, Einsamkeit, Sehnsucht sind die bestimmenden Themen, doch es wäre nicht Marguerite Duras, wenn sie diese nicht mit einer gewissen Ironie, einem Augenzwinkern und ihrem Hang ins unvermeidlich Tragischkomische abhandeln würde. Am „Ort der Leidenschaft“ begegnen wir dieser Frau, die ihren Schmerz und Klage über den Verlust einer geliebten Person in unvergleichliche Worte fasst und sich am Meeresufer im Bann der Wiederkehr des Verdrängten befindet.

Der Theaterverein Medusa setzt den Text von Duras in einer deutschsprachigen Erstaufführung um.

Herausragende Autorin

Marguerite Duras (1914-1996) zählt zu den herausragenden französischsprachigen Autorinnen des 20. Jahrhunderts. Ihr über fünfzig Titel umfassendes Werk - Romane, Erzählungen, Theatertexte, Theaterinszenierungen sowie Filmdrehbücher und Filmregie - wurde mit höchsten Auszeichnungen prämiert (Goldene Palme von Cannes, Grand Prix du Théâtre de l’Académie Francaise, Prix Goncourt). Texte wie "Moderato cantabile", "Die Verzückung der Lol V. Stein", "Der Liebhaber" oder das Szenario zu dem Film, "Hiroshima mon amour" von Alain Resnais haben der Autorin internationalen Ruhm eingebracht.

Sie gilt als exemplarische Vertreterin einer "weiblichen Ästhetik". Ihre rückhaltlose Art, sich selbst zum (zunehmend einzigen) Gegenstand des Schreibens zu machen, markiert eine gänzlich neue Form autobiographischen Schreibens. Doch trotz ihres Erfolges und ihres beeindruckenden Œuvres gehört Marguerite Duras zu den wohl umstrittensten Figuren des französischen Geisteslebens: Bei ihr gehen Modernität und Traditionalität, Innovation und Archaismus, revolutionär-emanzipatorischer Gestus und mythischer Impuls eine eigentümliche Verbindung ein.

Schauspiel: Silvia Idler
Co-Regie: Gaby Pflügl und Silvia Idler
Lichtdesign: Andrea Korosec
Grafik/Ton: Pamela Schartner
Tango-Coach: Helmuth Reiter
PR/Presse: Barbara Wimmer
Bühnenrechte: Stroemfeld/Roter Stern
(red)