Wien - Der japanische Regieveteran Shoei Imamura (30.11. bis 20.12.), Dietmar Brehm (13. bis 19.12.) und Wiener Filme der 60er Jahre (3. und 4.12.) stehen im Dezember auf dem Programm des Österreichischen Filmmuseums.Zweimal Goldene Palme Die erste Imamura-Gesamtschau in Österreich bietet, so das Filmmuseum, die Gelegenheit, einen großen Unbekannten und zentralen Protagonisten des modernen Kinos kennen zu lernen. Der 1926 geborene Imamura ist neben Nagisa Oshima die Hauptfigur der Erneuerungsbewegung im japanischen Kino der 60er Jahre. Er repräsentiert den Einbruch einer ungestümen, politisch und sexuell offenherzigen Intellektuellen-Mentalität in das "gutbürgerliche Haus" der japanischen Filmkunst. Imamura, der als einer der wenigen Filmkünstler zwei Mal die Goldene Palme in Cannes erhielt, ist bis heute mit ungeminderter Intensität aktiv. Im Filmmuseum erleben viele seiner Arbeiten ihre österreichische Erstaufführung, darunter seine beiden jüngsten Filme "Kanzo Sensei" (1998) und "Warm Water under a Red Bridge" (2001). Brehm-Retrospektive Mit der ersten großen Dietmar Brehm-Retrospektive in Wien würdigt das Filmmuseum das fast 30 Jahre umfassende Werk des Linzer Künstlers, der zu den maßgeblichen Wegmarken im internationalen Avantgardekino seit 1975 zählt. Brehms Arbeit mit gefundenem und stark verfremdetem Material aus medizinischen, pornografischen oder Kriminal-Filmen, durchdrungen von einem spezifischen Gemisch aus Ironie, Geheimnis und Selbststilisierung, entwickelt eine hypnotische Wirkung. Neben vielen Hauptwerken zeigt das Filmmuseum die Uraufführung von 17 neuen Kurzfilmen der vergangenen drei Jahre oder unter dem Titel "Huh-Huh" die abendfüllende Rekonstruktion seiner frühen "Komödien". Dazu präsentiert das Künstlerhaus Wien ab 12. Dezember Brehms Schaffen als Maler, Zeichner und Fotokünstler in einer monografischen Ausstellung . Außerdem wird, als erster Band der neuen Buchreihe "Projektionen" des Filmmuseums, am 13.12. das Film-Foto-Buch "Dietmar Brehm: Party. Filme 1974-2002" vorgestellt. Wiener Underground Unter dem Titel "Erweitertes Kino" und begleitend zu Präsentation des gleichnamigen neuen Buches von Hans Scheugl stehen am 3. und 4. Dezember je zwei Programme über den Wiener Undergroundfilm der 60er Jahre auf dem Programm, darunter einige erstmals wieder seit den 60ern gezeigte Streifen. Zu sehen sein werden u.a. Filme von Günter Brus, Valie Export, Kurt Kren, Peter Kubelka, Ferry Radax, Hans Scheugl, Ernst Schmidt jr., Peter Weibel sowie eine Hommage an den "Vorläufer" Herbert Vesely, der im Sommer 2002 verstorben ist. Filme von Hans Scheugl stehen am 5. Dezember auch im Filmcasino auf dem Programm. Weihnachtsgeschenke Die Wien-Premiere des Monats (21.12.) gilt "Lagaan" von Ashutosh Gowariker: epische, musikalische, gewitzte Pop-Kunst aus Indien und ein kleiner Vorgeschmack auf die kommende Schau des Filmmuseums zum Bollywood-Kino. Die Reihe "Geschichte(n) des Kinos" schließlich zeigt in der Weihnachtszeit (26.-30.12.) Filme, die vom "Glück im amerikanischen Kino" erzählen - u.a. Orson Welles' "Magnificent Andersons" und "The Wizard of Oz". Schließlich werden "Formen von Marxismus" präsentiert - Arbeiten der anarchischen Marx Brothers, umgeben von deutschen und sowjetischen Klassikern (Sergej Eisenstein, G.W. Pabst, Grigorij Kosintzew & Leonid Trauberg, Lew Kuleschow, Slatan Dudow). (APA)