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Wien - Das Christkind sollte dem Handel heuer moderate Umsatzsteigerungen bescheren. "Wir sind vorsichtig optimistisch, dass uns Weihnachten nach dem schwachen Jahr herausreißt", sagt Roman Seeliger, Handelsexperte in der Wirtschaftskammer. Im Vorjahr wurden zu Weihnachten 1,46 Mrd. Euro umgesetzt, ein Plus von zwei Prozent gegenüber 2000. Im dritten Quartal 2002 sei eine leichte Umsatzbelebung spürbar gewesen, die sich im Weihnachtsgeschäft fortsetzen sollte, macht auch Michael Wüger vom Wirtschaftsforschungsinstitut den Händlern Mut. Diese glauben großteils an spendablere Christkinder als im vergangenen Jahr. "Wir können in allen Segmenten interessante Produkte anbieten", sagt etwa Robert Hartlauer. Die großen Renner im Elektro- und Elektronikhandel dürften heuer DVD-Player, Digitalkameras und MMS- Handys werden. Die Bedeutung des Weihnachtsgeschäftes habe in den vergangenen Jahren zwar abgenommen, dennoch mache Hartlauer im Dezember den doppelten bis dreifachen Umsatz eines "normalen" Monats. Hoffen auf Schnee Der Sportartikelhandel hoffe auf baldigen Schnee, um die positive Geschäftsentwicklung der vergangenen Wochen weiterführen zu können, sagt Intersport-Eybl-Geschäftsführer Johann Leitner. Nach wie vor beliebt seien Carvingski, aber auch so genannte "snow- decks" (Skateboards für Schnee) werde man vermehrt auf den Pisten sehen. Auch bei Humanic wünscht man sich kälteres Wetter, um Winterschuhe und Stiefel noch vor Weihnachten an den Mann und die Frau bringen zu können, so Geschäftsführer Stephan Mayer-Heinisch. Buchhandel im Aufwind Relativ unabhängig von Konjunkturschwankungen sei der Buchhandel, sagt Seeliger. Gerhard Hirtl von der Buchhandlung Frick erwartet daher auch ein gutes Weihnachtsgeschäft mit "starken Steigerungen". Die Tatsache, dass sich heuer am Büchersektor kein programmierter Bestseller abzeichne, sehe er "mit einem lachenden Auge", denn: "Einen Stoß Bestseller hinlegen kann jeder. Gibt's den nicht, sind Sortimentsbuchhandlungen besser besucht." Auch für Kinder zeichnet sich ein gut gedeckter Gabentisch ab. "Die Zeichen stehen auf Verbesserung gegenüber 2001", sagt Toys-'R'-us-Geschäftsführer Franz Schweighofer. Kaum eine Branche ist vom Weihnachtsgeschäft so abhängig wie der Spielwarenhandel, schließlich mache man in dieser Zeit rund 45 Prozent des Umsatzes. Potenzielle Verkaufshits wie Harry- Potter-Software für die Play- station 2 oder das neue Lego Explore gebe es genug. Weine top, Schmuck flop? Nicht nur den Kleinen, auch den Großen wird heuer Freude bereitet. Wein-&-Co-Chef Heinz Kammerer rechnet nach dem Terror- und Euro-bedingten schwachen Vorjahr mit einem Plus von zehn Prozent. Weniger optimistisch sind die Juweliere. Christian Hübner hofft, den Umsatz des Vorjahres halten zu können, "Steigerung ist in der derzeitigen Wirtschaftssituation nicht möglich." Beim Wiener Nobeljuwelier Haban hält man sich überhaupt bedeckt. (Robert Zwickelsdorfer/DER STANDARD Print-Ausgabe, 29.11.2002)