Es wäre übertrieben, wenn man die Regierungsarbeit der Freiheitlichen als gelungen bezeichnen würde. Aber im Verhältnis zu allem anderen, was die FPÖ in den letzten drei Jahren geleistet hat, hat die blaue Sacharbeit noch ganz passabel funktioniert. Nicht funktioniert haben unter anderem: Zwischenrufe aus Kärnten; Neuinterpretationen der Zeitgeschichte; Privat-Außenpolitik; Anläufe zur direkten Demokratie; die Berufung auf den (angeblichen) Volkswillen; Experimente mit Basisdemokratie innerhalb der Partei. Das wird nun offenbar einer wachsenden Funktionärsschicht bewusst. Wenn Jörg Haider das Wählerpublikum nicht mehr begeistern kann - warum sollte man sich dann auf einem Parteitag von ihm begeistern lassen? Oder, wenn er eher dazu in Laune ist, beschimpfen lassen? Nachdem die FPÖ ohnehin jene verloren hat, die mit populistischen Versprechungen im Stile "Steuerreform vor Abfangjäger" zu ködern wären, könnte sie sich auf ihre nationalliberalen Grundsätze besinnen. Nur fällt es inzwischen schwer, für eine solche Ausrichtung geeignete Exponenten zu finden: Die Liberalen haben ja die FPÖ scharenweise selbst verlassen - oder sind im Lauf der Jahre ausgeschlossen worden. Herzeigbaren Nachwuchs gibt es kaum - dass jetzt der seit zehn Jahren politisch abstinente Norbert Gugerbauer als letzte große Hoffnung für eine Neupositionierung der FPÖ gehandelt wird, ist ein eindrucksvoller Beleg für die personelle Schwäche. Dabei muss man diesem letzten Aufgebot zugute halten, dass Gugerbauer das politische Geschäft versteht. Und: Gugerbauers Comeback wäre immerhin dem Begriff nach richtig; zurückkommen kann nur, wer wirklich lange weg war (und nicht bloß ein paar Tage im Bärental geschmollt hat). Das allein reicht aber nicht aus, um die geschwächte und intern zerstrittene FPÖ als verlässlichen Koalitionspartner zu empfehlen. (DER STANDARD, Printausgabe, 29.11.2002)