Zürich/Bern/Wien - Afrikanische Diktatoren hat er wörtlich als "Affen" bezeichnet. Das hat zwar in der Schweiz hohe Wellen geschlagen, aber noch keine Konsequenzen nach sich gezogen. Nachdem er aber im Rahmen einer Delegiertenversammlung seiner Partei ein vor Sexismus nur so strotzendes Gedicht zum Besten gegeben hat, geriet er endgültig unter schweren Beschuss. Nun hat der umstrittene Schweizer Politiker Oskar Freysinger, Präsident der rechtskonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) im Wallis, das politische Handtuch geworfen. Begründet hat der 42-jährige diesen Schritt mit "familiären Gründen". Seine Familie sei durch "die Ereignisse der letzten Wochen schockiert und verunsichert" gewesen. Erst am Wochenende war der Wintergarten seines Hauses in Flammen aufgegangen. Die Hintergründe dieser Tat sind noch nicht bekannt, ein gezielter Anschlag wird allerdings nicht ausgeschlossen. "Affen" Zunächst war der Sohn einer Walliserin und eines Tirolers anlässlich einer Veranstaltung in Sitten vor einigen Wochen heftig ins Gerede gekommen, als er afrikanische Diktatoren als "Affen" bezeichnete. Zur Rechenschaft wurde der umstrittene Politiker deshalb aber noch nicht gezogen. Der Untersuchungsrichter hatte die Klage eines sozialdemokratischen Politikers zurückgewiesen. Freysinger könne nicht der Vorwurf des Rassismus gemacht werden, weil er vor allem Diktatoren gemeint habe und diese könnten eben auch schwarzer Hautfarbe sein, lautete die Begründung. Bortoluzzi Das Fass endgültig zum Überlaufen brachte dann ein Gedicht, das er seinen Parteikollegen vorlas. Der Zürcher "Tagesanzeiger" sprach von einem "vor Vulgarität und Frauenverachtung strotzenden Gedicht" und brachte Auszüge der "Dichtkunst" des Lehrers für deutsche Literatur: Es ging es um ein "Dornwittchen", das es mit den sieben Zwergen treibe, denen es "die Hose heftig spannt". Ein Prinz sei meist "zu weit rechts oder zu links ihres Geschlechts". Der Schlussreim: "Dornwittchens kitzekleines Fuzzi ist wohl zu eng für Bortoluzzi." Toni Bortoluzzi, der Zürcher SVP-Nationalrat, der bei der kommenden Wahl zur Nachfolge der scheidenden SP-Bundesrätin Ruth Dreifuss als "Sprengkandidat" der Schweizerischen Volkspartei aufgeboten wird, scheint dieses Gedicht gar nicht gefallen zu haben. Mit seinen eigenen Ohren habe er das Gedicht zwar gar nicht gehört, aber Freysinger habe ihm nach der Versammlung einen Zettel zugesteckt, den er erst zu Hause gelesen hätte. "Und dann habe ich mich maßslos aufgeregt. Freysinger ist ein unanständiger Mensch. Er ist doch ein fehlgeleiteter intellektueller Trottel", ließ Bortoluzzi seinem Ärger im "Tagesanzeiger" freien Lauf. Freysinger betonte freilich des Öfteren, dass er sich verfolgt fühle - und das ungerecht. Er habe immer nur seine Meinung verteidigt und niemanden beleidigen wollen. Weil nun aber auch die Sicherheit seiner Familie in Gefahr sei, beende er seine politische Tätigkeit. "Der schöne Oskar Freysinger, der gerne singt und in Alexandrinern reimt (Übername: "Blocherscher Barde"), ist eben ein Provokateur - und er gefällt sich in dieser Rolle", schrieb der "Tagesanzeiger". Mit dem umstrittenen Gedicht über "Dornwittchen" schien er aber tatsächlich zu weit gegangen zu sein und seine politische Tätigkeit vorerst beendet. Die ersten politischen Erfahrungen sammelte Freysinger in der größten Partei im Wallis, der Christdemokratische Volkspartei. Erst später wechselte er zur SVP und gründete 1999 deren Walliser Sektion. Im Dorf Saviese wurde Freysinger Gemeinderat. Die Partei kam öfters durch interne Probleme und Kämpfe in die Schlagzeilen. Ein hoher Verschleiß an Politikern war die Folge. Andererseits schrieb der "autoritäre Oskarminator" (Tagesanzeiger) auch für Erfolge auf politischer Ebene verantwortlich. So erreichte die SVP im Wallis auf Anhieb zehn Prozent der Stimmen. Auch bei Gemeindewahlen und Kantonalwahlen schnitt die SVP gut ab. Die politische Ära des umstrittenen Politikers scheint aber - zumindest zunächst - beendet. Ob er weiter als Lehrer arbeiten wird dürfen, steht auch noch nicht mit Sicherheit fest. (APA)