St. Pölten - Draußen wird gerade ein weihnachtlicher Jahrmarkt aufgebaut - eine durchaus sinnfällige Ergänzung für ein Kino, hat doch das neue Medium in diesem Kontext einst seine ersten Publikumserfolge erzielt. Tief drinnen, im Bauch des Hauses Nummer 14 am Rathausplatz, liegt das neue Filmtheater, das am Freitag in St. Pölten eröffnet wurde.

In Empfang genommen wird man mit einer kleinen Cafébar, ein warm getönter, dezent nutzbar gemachter Gang führt nach hinten, wo man sich entscheiden kann, ob man in einem an alte Wirtshauskinos angelehnten Saal an einem Tisch Platz nimmt oder sich lieber im Hauptsaal, bei quasi Multiplex-Sitzkomfort, ganz in den Filmgenuss versenkt.

Mit dem Cinema Paradiso verfügt nunmehr auch Niederösterreich über eines jener Lichtspielhäuser, zu deren Programmatik es gehört, ihre Filmauswahl nicht ausschließlich nach kommerziellen Kriterien zu treffen oder überhaupt von Großverleihern treffen zu lassen, und die man deshalb Programmkinos nennt. Der Verein "Cinema Paradiso", der nun endlich sein eigenes Haus betreiben kann, hat bereits vor rund zehn Jahren begonnen, St. Pölten und Umgebung mit entsprechenden Filmprogrammen zu versorgen und etwa die sommerliche Reihe "Film am Dom" veranstaltet.

Ab 1996 wurde das ehemalige C2-Kino, das nun nach Plänen der Architekten BEHF zum Cinema Paradiso umgebaut wurde, regelmäßig und mit großer Publikumsresonanz bespielt. Die Idee, diese Initiative zum regulären Spielbetrieb zu erweitern, stieß zunächst auf lokaler Ebene auf eher verhaltenes Interesse. Schließlich gelang es aber doch, Land, Stadt und Bund für - zum Teil mehrjährige - Förderungen zu gewinnen. Gerechnet wird mit rund 25.000 Besuchern jährlich.

Im Hauptprogramm werden derzeit der norwegische Publikumshit Elling von Petter Naess und Gurinder Chadhas Kick It Like Beckham gezeigt. Am Wochenende werden jeweils ein Filmfrühstück und ein nachmittäglicher Kinderfilm angeboten und diesen Samstagabend laden Villa Valium mit Im Weißen Rössl zum Mitsingkino ein. (Isabella Reicher/DER STANDARD, Printausgabe, Sa./So., 30.11.2002)