Bild nicht mehr verfügbar.

Foto: APA/dpa
Wien - Österreichs Industrie mache viel zu wenig Anstrengungen, um sich auf die neuen EU-Regeln zur Verminderung der Schadstoffemissionen vorzubereiten. Größtes Versäumnis sei die mangelhafte Vorbereitung auf den Handel mit Emissionszertifikaten. "Die Unternehmen müssen die Verschmutzungsrechte im Jahr 2004 beantragen, also in 14 Monaten. Der Industrie droht die Zeit davonzulaufen", warnt Peter Orisich, der Chef der Österreich-Tochter des Zementriesen Lafarge. Während die Zementbranche im Umweltministerium noch heuer ihre Forderungen vorlegen wird, sei ein Konsens innerhalb der Industrie noch in weiter Ferne. "Viele sind im Irrglauben, dass der Emissionshandel noch sehr weit weg ist", kritisiert Orisich. In Österreich sind rund 120 bis 150 Unternehmen berechtigt, am Handel mit den Verschmutzungszertifikaten mitzumachen. Eine einheitliche Linie sei nötig, um eine ungleichmäßige Belastung einzelner Branchen oder einzelner Unternehmen hintanzuhalten. Die Lasten müssten fair verteilt werden. Nur einen Minimalkonsens gebe es bis jetzt: Pläne, dass bis zu 15 Prozent der Zertifikate nicht über Zuteilung, sondern per Auktion vergeben werden, würden von der Industrie einhellig abgelehnt. Das könnte die Spekulation anheizen und die Preise nach oben treiben. Dazu würde eine Versteigerung bestehende Unsicherheit für die Industrie noch weiter verschärfen. Auch OMV-Konzernchef Wolfgang Ruttenstorfer macht sich dafür stark, dass alle in einer nationalen Kraftanstrengungen beim Emission-Trading mittun. Auch die chemische Industrie, die laut EU-Richtlinie ausgenommen wurde. Bei der Agrolinz sei man schon proaktiv tätig geworden, dank eines neuen Verfahrens würden die Emissionen der OMV-Düngertochter ab Mitte 2003 um 30 Prozent sinken. Emissionen steigen Laut EU-Kommission haben zahlreiche Länder, darunter Österreich, den Kurs auf das Kioto-Ziel weit verfehlt. Sie müssten noch beträchtliche Anstrengungen unternehmen. Bei den Treibhausgas-Emissionen habe sich Österreich vom Reduktionsziel sogar weiter entfernt: Der Ausstoß von Klimakillern sei zwischen 1990 und 1999 und 8,5 Prozent gestiegen, während er EU-weit um 0,4 Prozent gefallen sei. (Clemens Rosenkranz/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30. 11./1.12 2002)