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Montage: reuters/derstandard.at
Seit dem 11. September haben die USA und die Europäische Union Gesetze erlassen, mit deren Hilfe der Emailverkehr lückenlos überwacht werden kann. So wird zum Beispiel in der Schweiz mit der Einrichtung des Satellitenüberwachungssystems Onyx der Datenverkehr überwacht. Schweizer Medienkünstler Das interaktive Webprojekt SuPerVillainizer richtet sich gegen das Denken in Feindbildern. SuPerVillainizer geht es darum, Profile von Bösewichten, Schurken und Sündenböcken anzulegen, diese mit echten Emailkonten bei einem Schweizer Provider auszustatten, sie zu "Verschwörungen" zu verschalten, und dann zuzuschauen, wie die Schurken beginnen, sich mit von SuPerVillainizer generiertem Verschwörungs-Content zu bemailen. Der Inhalt der verschwörerischen Mails kann mitbeeinflusst, die Verschwörungssprache gewählt werden. Bereist 44999 Mails versendet Bisher wurden bereits 44999 Mails versendet, 126 Verschwörungstheorien existieren. Die 89 verschiedene "Villains" (Schurken) hören auf Namen wie "Osama im Laden, Bill Gates, George Bush, Adolf Haider, Hans Moser, Peter Breakdown, Saddam Hussein" etc. Spiel in der Realität Dadurch, dass echte Emailkonten bei einem Schweizer Provider erzeugt und über verschiedene SMTP-Server echte Mails verschickt und von anderen ebenfalls echten Emailkonten empfangen werden findet das Spiel in der Realität statt. Das eröffnet natürlich auch die Möglichkeit realer Konsequenzen, sollten die Behörden auf den fiktiven Verschwörungscontent hereinfallen. Obsoletmachen von Feindbildern Ziel des Projekt ist das Obsoletmachen von Feindbildern. Die Welt besteht nicht aus Gut und Böse wie uns derzeit erfolgreich glaubhaft gemacht werden will (Beispiel: "War on Terrorism"). Gegen diese unangemessene Personifizierung ("Freund/Feind") richtet sich SuPerVillainizer und gegen das vorherrschende schwarz/weiß-Denken: Viele Feindbilder koexistieren in einem SuPerVillainizer-Environment: Alle können potentielle Schurken werden: Bush kann mit Binladen zu einer Verschwörung zusammengeschaltet werden, Herr Müller von nebenan mit Saddam. Man kann auch sich selber zum "SuperVillain" deklarieren, und schauen, was passiert. Hier wird das Überwachungssystem ad Absurdum geführt, weil es ja gerade annimmt, dass jeder und jede potentiell verdächtig ist. Gegen Internetfahndung Bei Supervillainizer geht es außerdem darum, die behördlich verordnete Internetfahndungsmaschine zu strapazieren Und die von den Providern zur Überwachung angeschafften Festplatten zu füllen. Den Einsatz von gemeinsam erarbeiten Trigger-Words, welche in die automatisch versendeten Emails integriert werden, sollen Onyx und Co. abgelenkt werden. Außerdem werden Datenspuren in den Logs der Provider hinterlassen: Im Registrationsprozess wird automatisch immer wieder derselbe Satz in das "Frage" und "Antwort" Feld des Formulars eingetragen und abgeschickt. Wie es geht Die SuperVillainizer Website ist so gestaltet, dass er an ein Emailprogramm wie Microsoft Outlook, Eudora, Netscape Messenger etc. erinnert, das man bei sich auf dem Computer installieren kann, um darüber Emails zu verschicken bzw. abzurufen. Email ist für die meisten Menschen in Europa eine alltägliche Sache, Email wird für private, wie geschäftliche Kommunikation genutzt. Wenn die Emailkommunikation eines jeden und einer jeden prinzipiell überwacht wird, geben wir einen Teil unserer Intimsphäre preis, diese Intimsphäre wird durch den Emailclient symbolisiert, der hier aber von einer privaten zu einer kollektiven Angelegenheit wird, da darüber jeder Verschwörungen generieren, und die von seiner sowie den anderen Verschwörungen/Bösewichten generierten Mails mitverfolgen, sich in Verschwörungen einklinken kann usw. Die Passwörter zu allen generierten Emailkonten können übrigens ebenfalls auf der Website abgerufen werden, so dass jeder sich versichern kann, dass die Konten auch existieren. Das Projekt wird im Rahmen des Festivals digitalBIEDERMEIER im Wiener WUK präsentieren.