Wien - Fast jeder, nur nicht Haider: Unter diese Prämisse lassen sich die Wünsche der Anti-Knittelfelder in der FP für einen personellen Neubeginn subsumieren. Vor dem Bundesparteitag kommenden Sonntag erneuert der Obmann des Rings Freiheitlicher Wirtschaftstreibender (RFW), Max Hofmann, im STANDARD-Gespräch seine Forderung nach Jörg Haiders endgültigem Rückzug aus der Bundespolitik. Im Wahlkampf hätten FP-Mitarbeiter "mitbekommen, dass es nicht der Wunsch der Wähler und kleinen Funktionäre ist, dass Haider zurückkommt". Über Ex-FP-Klubchef Norbert Gugerbauer, den die Parteirebellen als neuen Parteichef favorisieren, sagt der "erklärte Anti-Knittelfelder" Hofmann: "Ich kann mir Gugerbauer gut vorstellen, werde aber keinen Entscheidungen vorgreifen." Das in Gugerbauers Umfeld entstandene "Freiheitliche Manifest 2002" will Hofmann unterschreiben. Auch Exjustizminister Harald Ofner hat schon als einer von 1000 unterschrieben, gemeinsam mit einer Reihe von Landtagsabgeordneten. Ofner hofft auf eine "starke Persönlichkeit", die die "schweigende Mehrheit" in der FPÖ auf dem Parteitag vertreten könnte, um eine Fortsetzung des bisherigen Regierungskurses durchzusetzen. Gugerbauer wird von den Gegnern des momentanen Schlingerkurses nicht als alleiniger Heilsbringer gesehen: Es gehe um ein tragfähiges Team. Dabei wird auch immer wieder Susanne Riess-Passer genannt, die manchen "Rebellen" als wichtig für eine kontinuierliche Reform- und Regierungsarbeit erscheint, für andere aber völlig inakzeptabel wirkt. "Wenn Gugerbauer antritt, glaube ich, ist die Möglichkeit, dass er obsiegt, durchaus gegeben", sagt Hofmann - eine Gegenkandidatur zu Haider will er nicht einmal theoretisch durchdenken: "Ich würde nichts davon halten, wenn Haider noch einmal die Parteiführung übernehmen würde." Den von der Bundesparteileitung in Klagenfurt lancierten "Neustart mit Herbert Haupt" als FP-Chef hält RFW-Chef Hofmann nicht für den von der FP-Wirtschaft geforderten "Neubeginn": "Haupts Team ist eine ganz entscheidende Frage. Entscheidend wird sein, ob er sich gleichsam von Haider emanzipiert." Dann könne die FPÖ wieder ein Verhandlungspartner für die Regierungsbildung werden. In dasselbe Horn stößt der Wiener Landtagsabgeordnete Günther Barnet: "Wenn man sich erneuern will, dann muss man etwas Neues machen. Man muss die Karten auf den Tisch legen und sagen, wo die politische und personelle Erneuerung der FPÖ ist. Viele Freunde, darunter auch so genannte Knittelfelder, sind jetzt enttäuscht." Dabei ist die Sensibiliät besonders hoch: Sonntagabend, nach dem Parteivorstand in Klagenfurt, wurde behauptet, die Beschlüsse seien "einhellig" gefallen - das würde bedeuten, dass es nur Stimmenthaltungen, aber keine Gegenstimme gegeben habe. Es habe aber zumindest eine gegeben - Genauigkeit und Ehrlichkeit wären aber Grundwerte freiheitlicher Politik. Haupt-Kritiker kreiden dem Parteichef auch seine mangelnde Durchsetzungsfähigkeit an: Der Parteichef habe letzte Woche klar gesagt, dass alle Parteiausschlussverfahren gestoppt seien - und dann doch akzeptiert, dass jene in Niederösterreich und Salzburg weiterlaufen. Auf die Frage, ob er für den Parteitag am Sonntag zuversichtlich wäre, eine Gegenkandidatur zu Haupt zustande zu bringen, sagt Barnet: "Es ist nicht unser Ziel, aber es ist vielleicht notwendig." (Lisa Nimmervoll/Conrad Seidl/DER STANDARD, Printausgabe, 3.12.2002)