Kabul/Wien - Die Kindergärtnerinnen von Shirin Gol im vierten Polizeidistrikt der afghanischen Hauptstadt tragen Militärmützen und schauen auch sonst recht streng. Das liegt daran, dass sie hauptberuflich als Gefängniswärterinnen arbeiten, und der neue Shirin-Gol-Kindergarten auf dem Gelände eines Frauengefängnisses steht. Die Mütter, die Haftstrafen wegen Ehebruchs oder anderer in Afghanistan geahndeter Delikte verbüßen, können sich nun wenigstens trösten, dass ihre Kinder tagsüber außerhalb der Gefängnisbaracken betreut werden. Auch das gehört zum internationalen Aufbau in Afghanistan.

Keine drei Monate hat der Bau des Kindergartens gedauert, den das österreichische Kontingent der internationalen Schutztruppe Isaf organisierte und mit 25.800 Euro an Spendengeldern finanzierte.

Ein UNO-Mandat

Sechs Schulen hat der "Trupp für den zivilen Aufbau" (Cimic) innerhalb der Isaf in den vergangenen Monaten sanieren oder neu errichten lassen, vier Polizeistationen und sechs Kindergärten gebaut, ein Dutzend Brunnen gebohrt. Die Cimic-Aufgaben sind Teil des Mandats der Schutztruppe, das die UNO im Dezember 2001 erteilte. Mit den Bauarbeiten beauftragt werden dabei örtliche Firmen, wobei man - so versichern die österreichischen Soldaten - den Handwerkern ständig auf die Finger schauen müsse. Der Beitrag für Kabuls Wirtschaft soll beträchtlich sein.

Allerdings auch für die örtlichen Herren: Als Verteidigungsminister Herbert Scheibner vergangene Woche den Shirin-Gol-Kindergarten offiziell übergab, war auch immer ein schlanker Mann mit gepflegtem Bart und Anzug mit von der Partie. Die Idee mit dem Kindergarten für das Frauengefängnis war von ihm: Kabuls Polizeichef Salanghi sorgt für seinen Dienstbereich. Das gilt umso mehr für die Polizeitruppe der Hauptstadt, die sich der Chef von der internationalen Gemeinschaft ausrüsten und ausbilden lässt. Nur kontrollieren, so heißt es bei der Isaf, könne man ihn nicht. (mab/DER STANDARD, Printausgabe, 3.12.2002)