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Wien - Zwei Dollar am Tag: So wenig haben mehr als drei Milliarden Menschen derzeit zum Leben - ein Kilogramm Brot und einen halben Liter Milch bekommt man dafür in Österreich und es bleibt kein Cent für andere Ausgaben. Der UNO-Weltbevölkerungsbericht 2002 nennt diese Zahl, am Dienstag wurde dieser Bericht in Wien vorgestellt - im Kasino. Es ist ein Glücksspiel, ob jemand in den armen oder den reichen Teil der Welt hineingeboren wird, erklärte Erik Palstra vom UN Population Fund (UNFPA): Die Hälfte der Weltbevölkerung sei arm. Das von der UNO erneuerte Entwicklungsziel: Halbierung der globalen Armut und des Hungers, die Gleichberechtigung der Frauen, besserer Zugang zu Gesundheits- und Bildungseinrichtungen. Damit gehe der Kampf gegen die dramatische Ausbreitung von Aids einher. "Armut ist weiblich" Die Armut ist, auch dies ist dem Bericht zu entnehmen, zu einem großen Teil weiblich. Der Gutteil der von Frauen geleisteten Arbeit ist unbezahlt. Frauen haben vielfach keinen Zugang zu Bildung oder zu politischer und sozialer Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Jede Minute werden global 380 Frauen schwanger, jedoch nur rund die Hälfte gewollt. In den Industriestaaten stirbt eine von etwa 3000 Frauen durch eine Schwangerschaft, in Asien eine von 132 und in Afrika eine von 19. "Diese 500.000 Toten pro Jahr entsprechen drei Jumbojet-Abstürzen pro Tag", bekäftigte der UN-Beamte. (In geringer entwickelten Ländern liegt die Lebenserwartung bei 50 Jahren, in Österreich bei 75,2 für Männer und 81,7 für Frauen.) Primar Peter Safar von der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung setzt auf Investitionen in die Frauenbildung: Damit würde Verhütung möglich werden, der wirtschaftliche Status der Betroffenen könne gehoben und die Ernährungssituation verbessert werden. Schutz vor Aids Und dies wäre ein notwendiger Beitrag gegen die Verbreitung von Aids: 95 Prozent der weltweit rund 42 Millionen Infizierten leben in Entwicklungsländern. Nur die wenigsten wissen, wie man sich schützt, und noch viel weniger haben auch die Möglichkeit dazu. Es müsse damit gerechnet werden, dass die Wirtschaft der betroffenen Länder wegen des HI-Virus in den nächsten 20 Jahren um zwanzig bis vierzig Prozent weniger wachsen wird als ohne Aids. Es gibt aber auch Entwicklungsländer mit sinkenden Geburtenraten und dadurch geringerem Bevölkerungswachstum. Damit gehen laut UNO höhere Produktivität, mehr Ersparnisse und ertragreichere Investitionen einher. Ein höheres Wirtschaftswachstum ist die "Belohnung" für Familienplanungs- und Bevölkerungsprogramme. Global greifen diese Initiativen aber nicht, die UNO-Statistiker erwarten bis 2050 rund 9,3 Milliarden Menschen auf der Erde; derzeit sind es 6,2 Milliarden. Die höchsten Zuwachsraten werden dabei in den ärmsten Ländern erreicht werden. In Österreich sollte die Bevölkerungszahl bis dahin von derzeit 8,1 Millionen auf 6,5 Millionen Menschen sinken. (corst, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 4.12.2002)