Belgrad - Um das serbische Präsidentenamt ringen am Sonntag der national-konservative jugoslawische Präsident Vojislav Kostunica, der Populist und Ultranationalist Vojislav Seselj und der absolute Außenseiter Borislav Pelevic. Bei den Anhängern der Parteien aus der einst politisch starken Demokratischen Opposition Serbiens (DOS), die vor zwei Jahren das Regime des Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic gestürzt hatten, gilt Kostunica als einzig wählbarer Kandidat. Die anhaltenden Rivalitäten unter den Führern des demokratischen Parteienlagers haben aber manch einen DOS-Wähler inzwischen tief enttäuscht. Die vermeintliche Tatsache, dass Seselj den Wahlsieg Kostunicas nicht gefährde, wird wohl einigen serbischen Bürgern den "stillen Wahlboykott" erleichtern. Im Folgenden Kurzporträts der drei Kandidaten um das serbische Präsidentenamt: Vojislav KOSTUNICA wurde 1954 in Belgrad geboren. Er promovierte an der juristischen Fakultät in der jugoslawischen Hauptstadt. Den Posten des Universitätsassistenten musste er 1974 wegen Kritik am Entwurf der neuen Verfassung der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien räumen. 1989 gehörte Kostunica zusammen mit dem aktuellen serbischen Premier Zoran Djindjic zu den Gründern der Demokratischen Partei (DS). Drei Jahre später trennte sich Kostunica von der DS und gründete die Demokratische Partei Serbiens (DSS), dessen Vorsitzender er noch immer ist. Da Kostunica als einer der wenigen Oppositionspolitiker nie mit Ex-Präsident Slobodan Milosevic kooperierte, wurde er im Sommer 2000 zum Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Opposition Serbiens (DOS) nominiert. Kostunica behielt im September 2000 knapp die Oberhand gegen Milosevic und leitete damit die demokratische Wende ein. Nach groben inhaltlichen und auch persönlichen Differenzen mit dem als pragmatisch geltenden Djindjic distanzierte sich Kostunica immer mehr von der DOS. Vor der Wahl im September, die wegen zu geringer Wahlbeteiligung scheiterte, hatte Kostunica seinen Wahlkampf ganz auf Regierungskritik konzentriert. Der als national-konservativ und legalistisch geltende Politiker kämpft vor der Wahlwiederholung nicht nur um das Präsidentenamt, sondern auch um einen größeren Machtanteil seiner Partei, die sich unter den einstigen DOS-Parteien der größten Beliebtheit erfreut und die seit langem an der serbischen Regierung nicht mehr beteiligt ist. Vojislav SESELJ wurde 1954 in Sarajewo geboren. Er promovierte an der juristischen Fakultät in der Hauptstadt Bosnien-Herzegowinas mit einer Arbeit über Militarismus und Faschismus. 1984 wurde er als Dozent in Sarajewo wegen Regimekritik zu acht Jahren Haft verurteilt. Bereits ein Jahr später war Seselj auf freiem Fuß. In Belgrad baute er sich eine neue Existenz auf, gestützt vor allem auf Hilfe damaliger Dissidenten. Kurz vor den ersten serbischen Mehrparteienwahlen im Jahre 1990, als er sich zum ersten Mal um das serbische Präsidentenamt bemühte, landete Seselj erneut im Gefängnis. Als "Lieblings-Oppositionspolitiker" von Milosevic hatte der Ultranationalist seinen bisher größten Wahlerfolg bei den Präsidentenwahlen im Jahr 1997 verbucht, als er knapp 1,8 Millionen Stimmen (gegenüber 850.000 im September dieses Jahres) erhielt. Der Wahlsieg Seseljs wurde damals wegen angeblich zu niedriger Wahlbeteiligung annulliert. Der Führer der ultranationalistischen Serbischen Radikalen Partei (SRS) sollte später mit dem Posten des jugoslawischen Vizepremiers "entschädigt" werden. In Belgrad kursieren neuerdings Gerüchte, dass vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal bereits eine Anklage gegen Seselj wegen seiner aktiven Teilnahme an der Regimepropaganda und der Bildung von serbischen Freischärlergruppen in Kroatien und Bosnien-Herzegowina erhoben worden sei. Den raschen Anstieg der Popularität seit September hat Seselj auch der Unterstützung zu verdanken, die er von Milosevic aus dem Gefängnis bekommen hatte. Borislav PELEVIC wurde 1956 in der Nähe der Kosovo-Kleinstadt Orahovac geboren. Der politische Aufstieg von Pelevic hatte nach der spektakulären Ermordung des berüchtigten serbischen Milizenführers und Belgrader Mafiabosses Zeljko Raznatovic "Arkan" im Jänner 2000 begonnen. Als einstiger sehr enger Mitarbeiter hatte Pelevic die Führung der von Arkan im Jahre 1992 gegründeten Partei der Serbischen Einheit (SSJ) übernommen. Seine Präsidentschaftskandidatur wird auch als Versuch interpretiert, die düstere Kriegsvergangenheit Raznatovics zu vertuschen. (APA)