Bild nicht mehr verfügbar.

Im Bild der türkische Premierminister Abdullah Gul

Foto: APA/Tarik Tinazay
Die jüngsten Äußerungen George Bushs zur "nicht ermutigenden" Zusammenarbeit des Irak und der Besuch des US-Vizeverteidigungsministers Paul Wolfowitz in Ankara bieten zwei parallel existierenden Denkschulen gleichermaßen Futter: Die eine vertritt die Ansicht, dass Washington vor dem Schlüsseldatum 8. Dezember, an dem Bagdad seine Waffenprogramme offen legen muss, noch ultimativ den Druck erhöht, um eine friedliche Lösung zu erzwingen; die andere, dass der Irak-Feldzug beschlossene Sache ist und Wolfowitz bereits die Details verhandelt. Immerhin hat sich aber am Dienstag in Ankara auch der Falke Wolfowitz zumindest verbal dazu bekannt, dass der Krieg nur das letzte Mittel sein darf. Woran sie mit der Türkei sind - zumal auch Saudi-Arabien die auf seinem Territorium befindlichen US-Stützpunkte nicht offensiv benützt haben will -, müssen die USA aber natürlich jetzt schon wissen. Die Stimmung auf den türkischen Straßen ist gegen den Krieg, andererseits will die vom Westen misstrauisch beäugte neue konservativ-islamische Regierung keinen Verdacht aufkommen lassen, sie würde sich ideologisch ostwärts wenden. Die USA danken es ihnen mit Aufforderungen an die EU, der Türkei endlich ein Datum für Beitrittsverhandlungen zu nennen. Den Türken wird das aber nicht genügen: Ein großes finanzielles Hilfspaket soll auch noch herausspringen. Und Garantien, dass kurdischen Sezessionsgelüsten ein Riegel vorgeschoben wird. Ankara wird auch selbst tätig: Zuletzt hat es den Dieselschmuggel vom Irak in die Türkei, an dem irakische Kurden während der letzten Jahre Millionen Dollar verdient haben, gestoppt - weil diese ihre politischen Forderungen für den Fall eines Sturzes von Saddam nicht zurückstutzen wollen. Die Türkei will den irakischen Kurden zeigen, dass ihre Autonomie nur von Gnaden der Nachbarn funktionieren kann - und das ist zugleich eine Botschaft an die eigenen Kurden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 4.12.2002)