Während sich Washington die Nutzung von Luftstützpunkten in der Türkei für einen möglichen Krieg gegen den Irak zusicherte und Enttäuschung über die Waffeninspektionen zeigt, hält die UNO dagegen: Generalsekretär Annan lobte die "gute Zusammenarbeit" mit Bagdad.
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Bagdad/New York/Washington - Nach der ersten rund einstündigen Inspektion eines Präsidentenpalastes in Bagdad am Dienstag haben die Waffenkontrolleure der UNO am Mittwoch gleich zwei große Komplexe untersucht - die Nuklearanlage al-Tuweithi am Stadtrand von Bagdad und die einstige Giftgasanlage al-Muthanna, 60 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt. Sie erhielten auch dort wie in den Tagen zuvor ungehindert Zutritt. Das irakische Außenministerium protestierte jedoch gegen den unangekündigten Besuch des Al-Sijood-Palastes am Vortag. "Ist dies der Beginn der schlechten Manieren, der an die Atmosphäre anknüpft, die während der früheren Inspektionen herrschte?", hieß es in einem Kommuniqué des Ministeriums. Powell widerspricht Während die Inspektionen von Unmovic und der internationalen Atomagentur (IAEA) in die zweite Woche gingen, traten die unterschiedlichen Positionen von UNO und US-Regierung erstmals seit Annahme der UN-Resolution 1441 Anfang November wieder offen zutage: "Augenscheinlich ist die Zusammenarbeit gut", sagte UNO-Generalsekretär Kofi Annan in New York. Es sei zu früh für Einschätzungen, entgegnete Ari Fleischer, der Sprecher des Weißen Hauses, der "Präsident ist nicht ermutigt". Außenminister Colin Powell wiederum sprach von einem "ziemlich guten Start" der Inspektionen. Die US-Regierung drängt Unmovic-Chef Hans Blix offenbar zu einer Änderung der Inspektionen; sie sollen in größerer Zahl und an mehreren Orten gleichzeitig durchgeführt werden. Blix will hingegen an einem methodischen Vorgehen festhalten. US-Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz sicherte sich indes die Nutzung von Luftstützpunkten in der Türkei für einen Militärschlag gegen den Irak zu. Die USA planten "mehrere 100 Millionen Dollar" Investitionen in verschiedenen Militärbasen, sagte Wolfowitz nach Gesprächen in Ankara. Washington nutzt bereits die Basis Incirlik. (AP, AFP, Reuters, red) Training in Ungarn Budapest - Das amerikanische Militär wird etwa 2000 irakische Oppositionelle auf dem südungarischen US-Luftstützpunkt Taszar als Hilfskräfte für einen eventuellen Einsatz im Irak ausbilden. Die Irakis sollen ab Jänner in zwei Schüben in Taszar eintreffen, meldete am Mittwoch der ungarische Rundfunk. Der ungarische Verteidigungsminister Ferenc Juhasz informierte am selben Tag die Vertreter von neun Gemeinden im Umkreis des Stützpunkts über das Vorhaben. Die Iraker sollen als Dolmetscher, Militärpolizisten und Artilleriebeobachter ausgebildet werden, um den US-Truppen bei einem eventuellen Einmarsch in den Irak behilflich zu sein. (DERSTANDARD, Printausgabe, 5.12.2002, dpa, APA)