München - Siemens setzt trotz Krise auf Neuentwicklungen im Handybereich, wie der Unternehmenschef Heinrich von Pierer auf der Bilanz-Pressekonferenz heute, Donnerstag mitgeteilt hat. Mit innovativen Produkten sollen die zuletzt leicht gesunkenen Marktanteile vom übermächtigen Branchenführer Nokia zurückerobert werden. Trotz IT-Krise konnte der weltweit viertgrößte Handyerzeuger seinen Gewinn 2001 von 2,1 auf 2,6 Mrd. Euro steigern. Als Belastungen erweist sich neben der schwachen Konjunktur ein Milliarden-Euro-Loch in den Pensionskassen. Bei durch Währungs- und Konsolidierungseffekte sinkendem Umsatz von zuletzt 84 Mrd. Euro im Jahr 2002 will Pierer durch einen drastischen Stellenabbau und Kosteneinsparungen den Gewinn im seit 30. September laufenden Geschäftsjahr 2002/03 sogar erhöhen, obwohl er sich weiterhin ein schwieriges Umfeld erwartet. Eine Ertragswende konnte im wichtigsten Regionalmarkt, der USA, erzielt werden, wo sich nach einem Minus von 603 Mio. Euro im Vorjahr 2001/2002 bei ebenfalls leicht gesunkenem Umsatz ein Gewinn von 823 Mio. Euro einstellte. Der Marktanteil im Mobilfunk solle von 7,8 auf 9 Prozent gesteigert werden, Zeitraum wurde jedoch keiner bekannt gegeben. Gut angelaufen sei das Weihnachtsgeschäft, weshalb Pierer sich eine Steigerung der verkauften Handys (33 Mio. Geräte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2001/2002) erwartet. Immer wieder tauchen Gerüchte über einen Tausch der Siemens-Handysparte gegen den Netzwerkbereich von Motorola auf. Beide Unternehmen kooperieren bereits bei der neuen Handy-Generation UMTS und wollen die Zusammenarbeit künftig verstärken. Auch über eine Auslagerung der Produktion oder eine Zusammenlegung mit anderen Herstellern wurde spekuliert, allerdings von Pierer nicht kommentiert. Im abgelaufenen Geschäftsjahr trug sie bescheidene 96 Mio. Euro zum Konzern-EBIT von knapp 2,5 Mrd. Euro bei. Sorgensparte bei Siemens bleibt die Netzwerktechnik mit einem Verlust von 601 Mio. Euro im letzten Geschäftsjahr 2001/02. Durch weitere Restrukturierungen will Pierer damit 2002/2003 Gewinne schreiben. In der ebenfalls defizitären Sparte Industrielle Dienstleistungen und Services stünden Schließungen bevor. Die Sparte Automobilelektronik nähere sich mit Riesenschritten der Zielmarge. Im vergangenen Geschäftsjahr verbesserten laut Pierer zehn von 14 Siemens-Bereichen ihre Ergebnisse. Die größten Ergebnisbeiträge lieferten Kraftwerk-, Medizin- und Automatisierungstechnik sowie der Lampenhersteller Osram. Siemens beschäftigt per Ende September 2002 insgesamt 426.000 Mitarbeiter, das sind 24.000 weniger als im Jahr zuvor. Der Konzern hatte im April 2001 einen umfangreichen Stellenabbau eingeleitet: Bis Ende 2003 sollen weltweit rund 35.000 Arbeitsplätze wegfallen, weitere Stellenstreichungen sind nicht ausgeschlossen. Die Siemens-Aktie verlor bis zum frühen Nachmittag 0,2 Prozent auf 49 Euro und bewegte sich gegen den Aufwärtstrend des DAX. Am Vortag hatte der Kreditbewerter Moody's seinen Rating-Ausblick für Siemens überraschend von "stabil" auf "negativ" gesenkt. (APA/dpa/reuters/AP)