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Der Vorstand (l) und sein Mäzen

Foto:APA/Pfarrhofer

Johann Skocek

Wien - Österreichs Selbstverständnis könnte man mit der Anbetung der Meinungsumfragen (Schweinwelt als Prognose - wohin gehen wir?) illustrieren, mit dem ORF-Seniorenclub (Scheinwelt als Vergangenheit - woher kommen wir?) oder der Fußball-Bundesliga (Scheinwelt als Gegenwart - wer sind wir?). Der Ex-FPÖ-Klubobmann Peter Westenthaler wurde am Donnerstag als neuer, zweiter Vorstand der Bundesliga vorgestellt, nur Rapid und Mattersburg stimmten gegen ihn. Die beiden anderen angeblich noch im Rennen befindlichen Kandidaten wurde nicht einmal ignoriert.

Der angeblich bestgereihte von Dreien, Peter Zulehner, lehnte von sich aus das Ansinnen ab, unter den Umständen der Ausschreibung, der Selektionsdurchführung und des Mediengeheuls für Westenthaler (der im ORF in vorauseilendem Gehorsam mehrfach bereits als Liga-Vorstand präsentiert wurde), den Job antreten zu wollen. Zulehner: "Ich habe keinen Job bei Magna." Martin Reiter, der für den Tennisverband arbeitet und angeblich Drittgereihter ist, weilte am Donnerstag aus beruflichen Gründen im Ausland. Er erhielt keine Verständigung Art, dass er sich am Donnerstag zur Verfügung halten solle. Einziger Schluss: Das Urteil stand vor der (Aufsichtsrats-)Verhandlung fest, Westenthaler musste es werden.

Der Ex-Politiker kickte beim FavAC, beriet als Intimus des iranischen Millionärs Farrokh Sharif den Sportklub und die Vienna mit diskutierbarem Erfolg, beide stiegen ab. Seine konsequente Nähe zu der vom Bundesligapräsidenten Frank Stronach geführten Austria machte sich bezahlt, sein Vorstands-Job bei der Liga unter dem gestern wiedergewählten Präsidenten Stronach hält ihn in der Öffentlichkeit und also für eine Fortsetzung der politischen Karriere warm.

Westenthalers Bestellung steht in krassem Gegensatz zum Inhalt der Ausschreibung ("Marketingprofi", "profundes Fachwissen", "Planung, Budgetierung, Controlling"), andererseits hat die Bundesliga demnächst Probleme wie die Neufassung des TV-Vertrages (mit dem ORF?) zu lösen und eine Neusondierung des Sponsor-Feldes zu leisten, bei denen Westenthaler aufgrund mangelnder Fachkenntnis und Erfahrung sowie seiner politischen Punzierung - auch wenn sie aus politisch-karrieretaktischen Erwägungen zu einer Trennung von seinem Ziehvater Jörg Haider führte - kaum helfen wird können. Oder ist es in der Tat so, wie Stronachs Manager wie Peter Svetits hartnäckig behaupten, dass Westenthaler bei großen (internationalen?) Firmen wie der Geist aus der Flasche Wunder bewirken wird können?

Bleibt die Frage, warum Stronach auf Westenthaler beharrte. Es ist zu erwarten, dass Stronach diese Frage nicht wirklich beantworten wird (können). Es sei denn, man nimmt sein Urteil "Peter, du bist so talentiert", als Antwort. Aber dann bleibt die Frage, was die Frage war.

(DER STANDARD, PRINTAUSGABE 6.12. 2002)