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Foto: APA/ EPA/ KOCA SULEJMANOVIC

Belgrad - Mit einem erneuten Aufflackern der Debatte über die mangelhaften Wählerverzeichnisse ist Donnerstag Abend in Serbien der Wahlkampf für die Präsidentenstichwahlen am Sonntag abgeschlossen worden. Nach Angaben der Demokratischen Partei Serbiens (DSS) von Vojislav Kostunica müsste die gesamte Wählerzahl um 452.706 nach unten geändert werden.

DSS-Experten hatten in den letzten Tagen die Wählerverzeichnisse unter die Lupe genommen und dabei angeblich festgestellt, dass etwa 250.000 Wähler mit falschen Identifikationsnummern eingetragen worden seien, bei weiteren 160.000 sollen andere Fehlangaben wie falscher Name oder Geburtsdatum festgestellt worden sein. Die DSS-Vertreter hatten bei der Sitzung der Republikwahlkommission noch kurz vor Ablauf des Wahlkampfes die Forderung gestellt, alle falsch eingetragenen Wahlberechtigten aus dem Wählerverzeichnis zu streichen. Die Wahlkommission hatte den Antrag zurückgewiesen und die endgültige Wählerzahl anstatt mit 6.073.000 - wie von der DSS verlangt - mit 6.625.760 festgelegt.

Für den DSS-Präsidentschaftskandidaten Vojislav Kostunica dürfte der Unterschied keineswegs unbedeutend sein. Am Urnengang müssen nämlich mindestens 50 Prozent der Wahlberechtigten teilnehmen, damit die Wahlergebnisse gültig werden. Kostunica gilt laut Meinungsumfragen als sicherer Wahlsieger. Ob er das Präsidentenamt tatsächlich erringen kann, hängt nun ausschließlich von der Wählerzahl ab.

In seiner abschließenden Kundgebung im Belgrader Sava-Kongresszentrum hatte sich Kostunica für einen "normalen, mittelentwickelten, europäischen Staat" ausgesprochen, der auf "Grund der Gesetze und nicht Verordnungen" verwaltet wird. Das galt als eine Anspielung auf die Regierung von Ministerpräsident Zoran Djindjic, die sich in den letzten zwei Jahren allzu häufig Verordnungen bedient hatte, um das Parlament zu umgehen.

Der wichtigste Kontrahent von Kostunica, Ultranationalistenführer Vojislav Seselj meinte andererseits, dass seine Wahl "Serbien das Ansehen und die Achtung im Ausland" bringen würde, da die westliche Staatengemeinschaft die Politiker von der Demokratischen Opposition Serbiens "satt" habe.

Während Kostunica laut jüngster Meinungsumfragen mit etwa 60 Prozent der Stimmen rechnen kann, bleibt Seselj mit rund 30 Prozent weiter zurück. Der dritte Präsidentschaftskandidat, Borislav Pelevic von der Partei der Serbischen Einheit, wird als Außenseiter gesehen.

Etliche nichtstaatliche Organisationen, darunter zwei führende serbische Gewerkschaften, aber auch westliche Diplomaten in Belgrad hatten am Donnerstag an die Bürger Serbiens erneut appelliert, am Urnengang teilzunehmen. Ob die Appelle zum Erfolg des Urnenganges führen werden, ist nach Ansicht von Meinungsforschern noch ungewiss.

Der Wahlverlauf wird am Sonntag von rund 9.000 Beobachtern des Belgrader Zentrums für freie Wahlen und Demokratie (CESID) verfolgt werden. CESID-Experten werden im Laufe des Wahltages mehrmals auch Angaben über die Wahlteilnahme machen. Die ersten CESID-Wahlergebnisse dürften noch vor 22.00 Uhr vorliegen, die offiziellen wahrscheinlich erst am Montag. (APA)