Südtirol dominiert die Gruppe schon, im Norden gibt man ihr gute Chancen. Das Engagement aber ist kein Sonderangebot.

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Einmal im Jahr drängen sich Österreichs Verleger fast geschlossen bei einem Wiener Promiheurigen um Geselchtes, Schnitzel, Knödel und Schmarrn. Nach der Generalversammlung ihres Verbandes geht es ans Gesellige.

Absehbares Hauptthema diesmal - am Krampusabend: Wer steigt bei der Tiroler Tageszeitung ein, wo doch der bisher mit 65 Prozent beteiligte deutsche Verlagskonzern Axel Springer ("Bild", "Die Welt") mit Jahresende aussteigt?

Max Dasch, Eigentümer und Herausgeber der "Salzburger Nachrichten", sieht sich als Außenseitertipp: "Interessiert" ist er schon, das ob ist "eine Frage der Konditionen", Gespräche verneint er.

Diese Konditionen sind beachtlich, richten sie sich nur entfernt danach, wie das Tiroler Verlagshaus vor dem Einstieg Springers bewertet wurde: mehr als 100 Millionen Euro, die Deutschen sollen für erst 45 Prozent gut 50 Millionen gezahlt haben.

Deutlich höher als Dasch wird unter den Verlegern die Westvariante gehandelt: Eugen A. Ruß, Medienmulti aus Vorarlberg könnte wie berichtet mit den Verlegern Dirk Ippen und Alfons Döser ("Münchner Merkur") einsteigen. Ruß schweigt dazu weiter.

Zumindest ebenso hoch wie die Westvariante aber schätzt die Verlagsbranche die Südschiene ein. Nachhaltiges Interesse an der Tiroler Tageszeitung wird dem Bozener Athesia-Verlag nicht nur nachgesagt. Manager und Miteigentümer Michael Ebner bestätigt dem STANDARD, "natürlich Interesse" an einem Einstieg zu haben. Der bürgerliche Europaabgeordnete wollte sich "nachhaltig" informieren. Politisch würde eine solche Lösung begrüßt, hieß es im Land.

Mit Ruß' Vorarlberger Medienhaus verbindet die Athesia, dass beider Blätter die Bevölkerung ihrer Heimat fast lückenlos erreichen.

"Verfrüht" wäre es laut Ebner, konkrete Bedingungen für einen Einstieg zu nennen. Die Position der Erbengemeinschaft des Tageszeitung- Gründers Joseph Stephan

Moser, nach dem Abschied Springers Alleineigentümer, erleichtert Verhandlungen nicht. Nach STANDARD-Informationen steht nur ein Minderheitsanteil zum Verkauf.

Dass das letztes Wort bleibt, findet sich kein Käufer dafür, bezweifelte Donnerstagabend mancher Heurigenbesucher. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.12.2002)