Wien - Auch wenn die "Sofie" eine Saison im Sauwetter überstehen würde, der heurige regnerische Herbst bereitet Denkmalschützern Sorgen. Schnee und kalte Temperaturen in den nächsten Tagen - wenn das Wasser erst einmal in die Mauern der abgebrannten Sofiensäle eingedrungen sei, befürchtet Landeskonsevatorin Barbara Neubauer, "ist der Bau irgendwann endgültig abbruchreif". Um das zu verhindern, hat das Denkmalamt bei der Bezirksbehörde einen Bescheid erwirkt: Das Mauerwerk der "Sofie" ist zu schützen. Sei es mit einer "Einhausung" oder mit einem mit Planen bespannten Gerüst. Jenen Witterungsschutz, der von den Privateigentümern schon vor Monaten über Teile des Mauerwerks gelegt wurde, hält Neubauer für nicht ausreichend. "Jeder weiß, wie hoch die Windbelastung in Wien ist", Teile der Planen seien zerfetzt. Es plätschert ungehindert hinein. Den Bescheid zum Schutz des ehemaligen Ballsaales, der nach Flämmarbeiten am Dach im Vorjahr in Brand geriet, hat Rechtsanwalt Karl Pistotnik dieser Tage angefochten. Er ist als Aufsichtsratsvorsitzender der privaten Sofiensäle AG der Ansicht, dass der Bescheid "unglücklich formuliert" - und daher rechtswidrig - sei. Aufschub oder nicht Er hat eine "Verbesserung" des Bescheids beantragt. Vor allem in der Frage, ob der Bescheid im Verfahren aufschiebende Wirkung hat oder nicht. Davon hängt es ab, ob die "Sofie" sofort regendicht gemacht werden muss ober nicht. Die Angelegenheit wandert also in die nächste Instanz. Am Ende des Klagsweges könnte eine "Ersatzvornahme" durch die Behörde stehen. Das hieße, dass die Sofiensäle auf Kosten der Steuerzahler vor Witterung geschützt werden. Die Behörde kann dann versuchen, das Geld von den Besitzern einzuklagen. Notwendigkeit, die Sofiensäle besser zu schützen sehen die Privatbesitzer nicht. "Das würde uns laut Kostenvoranschlag zwei Millionen Euro kosten", sagt Pistotnik. Wozu also? "Ruine ist Ruine." Und die verfällt halt unter Natureinfluss, als nichts anderes sei Witterung zu betrachten. Für die Sofiensäle AG ist der ehemalige Ballsaal sowieso totes Kapital. Es fände sich kaum ein Investor, der einen Umbau auf sich nehmen würde. Der Grund: Das Bundesdenkmalamt hat im April verfügt, dass der Denkmalschutz für das 1838 errichtete "Sophienbad" aufrecht bleibt. Seit Jahren wird über die Zukunft des Gebäudes debattiert. Schon lange vor dem Brand gab es Pläne für ein Hotelprojekt. Eine Bürgerinitiative fordert den Umbau der Sofiensäle zu einem "Johann-Strauß-Zentrum". Mehr Staat, weniger privat wollen in diesem Zusammenhang VP und FP. Die Stadt solle den Wiederaufbau mitfinanzieren. Dies wird seitens der SP-Regierung abgelehnt, da Privatbesitz nicht gefördert werden könne. (Andrea Waldbrunner, DER STANDARD Printausgabe 7.12.2002)