Belgrad- Zwischen dem jugoslawischen Präsidenten Vojislav Kostunica und dem serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic, deren politisches Verhältnis schon seit Jahren sehr getrübt ist, flogen bereits die Fetzen, noch bevor in Belgrad die Wahlkommission den Urnengang offiziell für gescheitert erklärte. Nach Angaben von unabhängigen Wahlbeobachtern ist für die Wahl am Sonntag erneut die erforderliche Beteiligung von mindestens 50 Prozent verfehlt worden.

Kostunica gibt dafür Djindjic die Schuld. Die Wählerverzeichnisse gehörten in das Guiness Buch der Rekorde, kritisierte Kostunica. Auch würde das Scheitern des Urnengangs die vorgezogene Parlamentswahl, die Djindjic unbedingt verzögern will, nicht hinausschieben, drohte der Präsident.

"Weder ich noch meine Regierung tragen irgendeine Verantwortung für das Scheitern der Wahl", erwiderte Djindjic. Auch sei seine Demokratische Partei bereit gewesen, Kostunica im Wahlkampf aktiv zu unterstützen. Dies sei jedoch von der Demokratischen Partei Serbiens (DSS), dessen Vorsitzender Kostunica ist, abgelehnt worden.

Djindjic bezeichnete den Wahlkampf von Kostunica als "schlechtes Experiment". "Zum ersten Mal hat man Wahlen ohne irgendeinen Wahlkampf gesehen", sagte der Ministerpräsident.

Der Belgrader Wahlanalytiker Vladimir Goati bezeichnete bei einer Pressekonferenz nach dem Schließen der Wahllokale das Verhalten der Wahler als "rationell". Kostunica bemühte sich nach Ansicht von Goati nicht ausreichend um die Unterstützung der Anhänger des jugoslawischen Vizeministerpräsidenten Miroljub Labus, seines größten Herausforderers beim vorangegangenen Urnengang.

Labus hatte bei der Stichwahl am 13. Oktober rund 30 Prozent der Stimmen bekommen. Die Anhänger des Wirtschaftsexperten scheinen am Sonntag mehrheitlich zu Hause geblieben zu sein. (APA)