Brüssel - Derzeit gibt es in der EU mit 15 Mitgliedsländern elf Amtssprachen, da Deutsch, Französisch, Englisch und Niederländisch in mehr als einem Mitgliedsland gesprochen werden. Mit den zehn Kandidatenländern kommen voraussichtlich neun Sprachen dazu - nur das Griechisch Zyperns ist bereits abgedeckt. Damit kommen "gewaltige Herausforderungen" auf die EU zu, wie es in einem für den Gipfel von Kopenhagen erstellten EU-Bericht über die Sprachenverwendung heißt. Vorerst gibt es aber keinen Zweifel daran, dass Verhandlungen auf politischer Ebene - bei Treffen der Minister ebenso wie im EU-Parlament - und alle wichtigen Dokumente in alle Amtssprachen übersetzt werden.

Der Aufwand für das Dolmetschen verdoppelt sich nicht nur, wenn die EU von elf auf 20 Sprachen umstellt. Statt bisher 110 Kombinationen wird es 380 Varianten geben. Kämen eines Tages Rumänisch, Bulgarisch und Türkisch dazu, so wären es gut 500. Sprache als kultureller Wert

Sprachliche Vielfalt sei zwar ein großer kultureller Wert, aber die verwaltungstechnischen und logistischen Herausforderungen seien "beispiellos", analysiert die EU selber. Keine andere Organisation der Welt arbeitet mit 20 Sprachen. Die EU hat bereits mit den Einstellungsverfahren für Übersetzer und Dolmetscher mit den neuen Sprachen begonnen.

Dennoch wird nicht in Frage gestellt, dass in Zukunft wie bisher bei Tagungen des Rates und des Europäischen Rates Dolmetscher für alle Sprachen gestellt werden und dass politische und gesetzgeberische Texte vor der Beschlussfassung der Minister ebenfalls in allen Amtssprachen zur Verfügung stehen müssen. Auf Beamtenebene sucht man hingegen noch nach Vereinfachungen, ohne aber bisher einen Königsweg entdeckt zu haben. Verzichtet man einfach auf Dolmetscher, wären nationale Experten mit schlechten Fremdsprachenkenntnissen benachteiligt. Frist bis Ende März

So überlegt man, ob nicht Länder, die sich einen Dolmetscher bestellen, diesen auch gleich zahlen sollen. Wie das aber "transparent, kostenwirksam, fair und nichtdiskriminierend" umgesetzt werden könnte, muss erst diskutiert werden. Als dritten Ansatz könnte man von vornherein für Sitzungskategorien festlegen, in welche Sprachen gedolmetscht wird. Das wäre dann zwar planbar, nicht aber mit den Grundprinzipien der Sprachenverwendung in der EU vereinbar. Bis Ende März will man in der EU weiter nachdenken. (APA)