Köln - Schriftsteller Martin Walser leidet noch immer unter dem Wirbel, den sein jüngster Roman "Tod eines Kritikers" ausgelöst hat. "Wenn ich heute irgendwo erscheine, um aus einem Buch zu lesen, treten junge Frauen und Männer auf und rufen und brüllen einzeln und im Chor: Antisemit", schrieb er in einem Text für die Edition Isele, den der "Kölner Stadtanzeiger" (Dienstagausgabe) veröffentlichte. Er wünsche niemandem, je in eine solche Situation zu kommen, in der man nichts mehr sagen könne, weil man sofort niedergebrüllt werde.

Kritik Schirrmachers sei damals für die Leserschaft nicht nachvollziehbar gewesen

Scharfe Kritik übte Walser am Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Frank Schirrmacher, der sich in einem offenen Brief wegen angeblicher antisemitischer Klischees gegen einen Vorabdruck von Walser Roman ausgesprochen und damit den Streit um das Werk ausgelöst hatte. Schirrmacher habe "gegen Recht und Brauch verstoßen" und wochenlang "die Stimmung organisiert", schreibt der Schriftsteller. Zudem habe Schirrmacher den Brief veröffentlicht, als kein Leser seiner Zeitung dessen vernichtendes Urteil habe überprüfen können. (APA/AP)