Die aus dem Hause Fellner tun das, indem sie ihren erotisch unbedarften beziehungsweise körperlich hinfälligen Lesern immer und immer wieder den Weg zum besten Sex oder zu den besten Ärzten weisen. "profil", seit längerem bemüht, den Vorsprung der Fellner-Presse nicht allzu groß werden zu lassen, versucht es diese Woche mit Krieg der Sterne - Pseudowissenschaft Astrologie. Nun ist nichts so unnötig wie das Bemühen, Astrologie widerlegen zu wollen - so unnötig kann nicht einmal die Astrologie selber sein. Das ist evident, daher heißt es im Inhaltsverzeichnis: Obwohl der Einfluss der Planeten auf unser Leben jeglicher wissenschaftlicher Relevanz entbehrt, boomt das Geschäft mit den Sternen. Warum die Gesellschaft vom Wunsch besessen ist, von einer höheren Macht gelenkt zu werden. Bisher konnte noch nicht einmal geklärt werden, warum die Gesellschaft vom Wunsch besessen ist, von George W. Bush, W. Putin oder W. Schüssel gelenkt zu werden, daher musste "profil" an der schlüssigen Beantwortung der viel einfacheren rhetorischen Frage scheitern, die man sich selbst vorlegte. Warum das Geschäft mit den Sternen boomt, hat denselben Grund wie dieser lahme Versuch einer Geschäftsstörung: Geschäfte. Einen journalistischen Grund gibt es jedenfalls nicht. Denn selbst Mitbürger, deren Gehirnkonstellationen sich nach Gestirnkonstellationen richten, könnten sich, ohne auf "profil" angewiesen zu sein, mühelos vom Widersinn ihres Strebens überzeugen. Sie brauchten sich nur an einem Tag je ein Exemplar der führenden astrologischen Tageszeitungen Wiens kaufen, und der Vergleich machte sie sicher. Nehmen wir nur zwei kurze Beispiele von Sonntag, dem 8. Dezember. Da versprach Andrea Wicho im "Kurier" den Zwillingen: Als Zwilling haben Sie eine hektische Woche vor sich. Helga Kuhn hingegen in der "Kronen Zeitung": In dieser Woche tut sich nicht viel. Keine aufregenden Liebeshöhepunkte - für die im Kleinformat ohnehin eher das Sexstarlet Dr. Gerti Senger als ein Stern zuständig ist -, keine sensationellen Neuigkeiten. Dem Löwen ward im "Kurier" versprochen: Beruflich können Sie in dieser Woche viel erreichen. In der "Krone" aber: Sie kommen nicht weiter, weil jemand falsch spielt. In dieser Woche müssen Sie daher auf einiges gefasst sein. Aber "profil" glaubt ja, auf einer Glatze Locken drehen zu müssen, und zwar gleich auf der von Theodor W. Adorno, der mit dem Satz zitiert wird: "Astrologie ist der verzweifelte Kurzschluss, dem Sinnlosen Sinn zu verleihen." Die aufgeklärteren unter den alten Römern waren schon derselben Ansicht, aber das hält "profil" nicht ab, aus dem verzweifelten Kurzschluss eine lange Geschichte zu basteln, aus der wir wieder nicht erfahren, ob W. Schüssel nun Obmann der ÖVP oder doch der Bote einer höheren Macht ist, ausgesandt, die besessenen Österreicher zu lenken - wer, wenn nicht er? Auffällig ist jedenfalls, dass der Weg ins astrologische Fach über kaputte Beziehungen zu führen scheint. Von Gerda Rogers, Sterndeuterin von "NEWS" und "Woman", weiß "profil": Zwei gescheiterte Ehen rückten den Blick der früheren Linzer Boutiquenbesitzerin in Richtung Gestirne. Der "ganz untypische Widder" Helga Kuhn schlitterte ins Fach, als die Ehe mit einem Krebs zerbrach. Adelinde Rumpler von der "Ganzen Woche" pilgerte von Astrologen zu Astrologen, als ihr einst der Ehemann durchbrannte. Und Andrea Wicho hat, "profil" nach zu schließen, mindestens eine abgebrochene Beziehung zur Medizin hinter sich. Den Himmel beherrscht nun einmal Zeus, und der war nicht treu. Auch einer der wenigen männlichen Sterndeuter der heimischen Szene, Heinz Fidelsberger, hat ein Beziehungsproblem. In der letzten Nummer von "Zur Zeit" wird sein Buch "Die Sterne Adolf Hitlers" besprochen. Das Leben Adolf Hitlers, von unzähligen Autoren in den vergangenen fünf Jahrzehnten in mehr als 2.000 Büchern bis ins kleinste Detail erforscht, weist bekanntlich eine Bruchstelle auf, die selbst Joachim Fest und Brigitte Hamann in ihren Büchern nicht zu deuten vermochten: wie konnte es geschehen, daß ein total gescheiter Mann, der in einem Obdachlosenheim wohnte und nicht einmal ein Hemd besaß, mit der Übersiedelung nach München von einem Tag zum anderen eine erfolgreiche Karriere beginnen konnte, die freilich am Ende zu einem katastrophalen Sturz führte?

Obwohl diese Bruchstelle ganz gut gedeutet ist, kann Fidelsberger mit seiner Deutung nicht an sich halten. Fidelsberger nimmt das Horoskop Adolf Hitlers, analysiert und vergleicht es mit den Geschichte gewordenen Fakten. Seine Linienführung hat überzeugende Beweiskraft. Der Mensch ist - so Fidelsberger - zu einem erheblichen Prozentsatz vom Lauf der Sterne abhängig. Daher klarer Fall: Auch Adolf Hitler konnte seinem Schicksal nicht entgehen. Er mußte nach dem Gesetz, wonach er angetreten, handeln, er konnte ihm nicht entfliehen. Das freilich hat uns "profil" verschwiegen. (DER STANDARD, Printausgabe vom 10.12.2002)