New York - Der Irak hat in seiner tausende Seiten umfassenden Deklaration detaillierte Angaben über seine Programme zur Herstellung nuklearer, chemischer und biologischer Waffen sowie von ballistischen Trägerraketen gemacht. Zugleich wird darin die angebliche Zerstörung derartiger Materialien und Waffensysteme aufgelistet, wie aus der umfangreichen Inhaltsübersicht der Deklaration hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt. Bei den meisten Angaben handelt es sich jedoch nach inoffiziellen ersten Einschätzungen von Experten um bereits in den Jahren 1991 bis 1998 durch Waffenkontrollen weitgehend bekannt gewordene Programme und Einrichtungen.

Das Rüstungsdossier ist in vier Hauptkapitel gegliedert. Das erste, die "Nukleare Deklaration" umfasst allein auf 2081 Seiten die Phase vom Beginn des irakischen Atomenergie-Programms bis zur Niederlage des Iraks im Golfkrieg von 1991. Auf 300 weiteren Seiten werden untere anderem Angaben darüber gemacht, was seit 1991 bis heute in mehr als 30 Produktionsstätten und Institutionen geschehen ist, die an dem Nuklearprogramm beteiligt waren. Der einzige Verweis auf eine Bombe ist in dem Berichtteil zu den chemischen Waffen zu finden. Dort ist den Angaben zufolge von einem Projekt zum Bau einer "Strahlungsbombe" die Rede, das jedoch eingestellt wurde. Mehrere Seiten sind Hilfsleistungen aus dem Ausland gewidmet.

Sehr detailliert wird - nach der Inhaltsübersicht zu urteilen - auch dargestellt, wie sich der Irak über welche Firmen Materialien wie Zentrifugen für die Anreicherung von Uran beschafft hat. Auf hunderten Seiten wird zudem erläutert, wie Ausrüstungen und Ausgangsstoffe zerstört worden seien und wie man nach Alternativen zur Atomenergie gesucht habe.

Die "Nukleare Deklaration" wurde zur Überprüfung an die Internationale Atomanenergiebehörde (IAEO) weitergeleitet. Die drei weiteren Bestandteile - die "Chemische Deklaration", die "Biologische Deklaration" und die "Ballistische Deklaration" - werden von Experten der UN-Kontrollkommission für den Irak (UNMOVIC) in New York analysiert.

Die Angaben zu irakischen Chemiewaffen-Programmen beziehen sich wiederum auf zahlreiche konkrete Produktionsstätten, Institutionen sowie auf Forschungseinrichtungen und Testgelände. Ausführlich wird wiederum über die "unilaterale Zerstörung chemischer Munition, Stoffe und Vorstufen-Produkte" berichtet. Besonderes Interesse könnten geheimdienstliche Auswerter auch in diesem Kapitel für Angaben zu Firmen, Vertretern und Individuen haben, die dem Irak bei der Umsetzung seiner Chemiewaffenpläne halfen.

Irak arbeitete an fernlenkbaren Flugzeugen

Ähnlich detailliert sind die Kapitel über biologische Waffen und Trägersysteme unter Nennung zahlreicher Produktionsstätten und Firmen aufgebaut. Wie daraus unter anderem hervorgeht, verfügte der Irak nicht nur über Anlagen zur Herstellung verbotener Kampfstoffe, sondern arbeitete auch an der Entwicklung fernlenkbarer unbemannter Flugzeuge sowie ballistischer Raketen. Parallel zur Übergabe des Dossiers hatte Bagdad offiziell erklärt, daraus gehe für Experten hervor, dass der Irak heute nicht mehr über Massenvernichtungswaffen oder andere verbotene Kampfstoffe und Rüstungsprogramme verfüge. (APA/dpa)