Alles wird neu in der SPÖ. Heißt es wenigstens. Aber schon frühere Ankündigungen lassen darauf schließen, dass sich nur wenig ändern wird. Parteichef

Alfred Gusenbauer

lässt sich die Seinen so leicht nicht hinausschießen. Das Match lautet Bundesländer gegen Parteizentrale. In diesem Fall hat sich auch die mächtige Wiener-SP in die Front der Bundesländer eingeordnet. Auf der Länder-Wunschliste der auszutauschenden Personen findet sich praktisch das gesamte engere Umfeld von Gusenbauer: Die Bundesgeschäftsführung, namentlich

Andrea Kuntzl

und

Doris Bures,

Klubobmann

Josef Cap,

Kommunikationschef

Harald Stockbauer,

die Presseabteilung und Organisationschef

Reinhard Buchinger.

Gusenbauer sei sich der Unzufriedenheit in den Bundesländern wohl bewusst. Eine seiner besten Eigenschaften wird ihm dort jedoch als Schwäche ausgelegt: Treue - zu den Mitarbeitern. Daher wird es aus seiner Sicht nur ein einziges Opfer geben: Andrea Kuntzl.

Josef Cap wird vorerst geschäftsführender Klubobmann bleiben. Das versicherte Gusenbauer jedenfalls am Dienstag auf entsprechende Nachfrage: Er selbst werde Josef Cap zur Wahl vorschlagen, Gegenkandidaten gibt es keinen. Sollte die SPÖ jedoch in Opposition bleiben, könnte Parteichef Gusenbauer doch selbst den Klubobmann machen, heißt es.

Eine, die sich stets als loyal erwiesen hat, kann mit höheren Ehren rechnen: Frauenvorsitzende

Barbara Prammer

ist seitens der SPÖ als Zweite Nationalratspräsidentin im Gespräch.

Heinz Fischer,

bisher Erster Präsident, lässt es sich derweil noch offen, ob er auch für den Zweiten Präsidenten zur Verfügung stehen wird.

Jedenfalls fällt für ihn das Berufsverbot, das nur für den Ersten Präsidenten gilt. Er wird ab dem Wintersemester 2003/2004 seine Vorlesungstätigkeit als Universitätsprofessor wieder aufnehmen. Am Institut für Politikwissenschaften wird Fischer eine Vorlesung zum Thema "Der österreichische Parlamentarismus im historischen Kontext der Zweiten Republik" halten.

Offen ist, wer im Nationalrat den Dritten Präsidenten geben wird. Der Industrielle

Thomas Prinzhorn,

bisher Zweiter, stünde auch für das Amt des Dritten Präsidenten zur Verfügung. So er nicht doch noch ein Ministerium erhält. Theoretisch könnten ÖVP und SPÖ, so sie sich einigen, aber auch den Dritten Präsidenten mit einer gemeinsamen Mehrheit unter sich aufteilen. Die Grünen werden ebenfalls den Anspruch stellen, als kleinste Partei haben sie aber die geringste Aussicht. (kob, völ/DER STANDARD, Printausgabe, 11.12.2002)