8. Frauen-Ring-Vorlesung an der Universität Salzburg: "(Männer)Krieg & (Frauen)Frieden" - Geschlechterdimensionen in historischen und aktuellen kriegerischen Konflikten:

Patricia Zuckerhut: "Der Krieg der Männer ist das Gebären der Frauen? Die ganz andere Seite des Krieges"

Der Krieg im alten Mexiko unterscheidet sich in Bedeutung und Inhalt und damit auch der Kriegsführung scheinbar grundlegend von heutigen Kriegen. Für die AztekInnen ist der Krieg ein heiliger Akt, der der Erhaltung der Welt dient. Im Krieg werden Gefangene gemacht um mit diesen die Götter zu ernähren.

Auch die Frauen beteiligen sich am Krieg. Einmal indem sie selbst "Gefangene" machen, sprich Kinder gebären, oder den Kriegertod erleiden (=Tod im Kindbett) und anschließend wie auch die am Schlachtfeld oder Opferstein getöteten Männer die Sonne auf ihrem Weg über den Himmel begleiten. Andererseits sind sie direkt und aktiv am Krieg der Männer beteiligt: ihre Aktivitäten und Rituale im Haus (calli), ihre gesamte Lebensführung ist ausschlaggebend für ein erfolgreiches Agieren der Männer am Schlachtfeld.

Patricia Zuckerhut wird in ihrem Vortrag die aztekischen Vorstellungen und Praktiken bezüglich des Krieges darstellen und folgende Fragen diskutieren: Ob und inwiefern unterscheiden sich heutige Kriege tatsächlich von dem der AztekInnen? Wird nicht auch heute der Krieg als eine Art heiliger Akt zur Erhaltung des "Vaterlandes", der Nation u.ä. präsentiert? Welche Rolle nehmen Frauen heute in diesen Kriegen ein, welche Art des Beitrags kommt ihnen im modernen Krieg zu (Erhaltung der Infrastruktur, ideologische Stärkung…)? Welche Widerstandspotentiale gegen Krieg und Gewalt lassen sich auf diesen Grundlagen heraus arbeiten?

Diese Fragen sollten in Wechselwirkung mit dem Krieg im alten Mexiko und anderen Kriegerischen Konflikten (Afghanistan, Nahost-Krise, ehemaliges Jugoslawien…) diskutiert werden.

Zur Person

Patricia Zuckerhut ist Sozialanthropologin und arbeitet als freie Wissenschafterin, sie ist Mitglieder der ARGE Wiener Ethnologinnen und lehrt feministische Anthropologie am Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Konzepte und Theorien der feministischen Anthropologie und der Frauen- und Geschlechterforschung sowie die Nahua in Mexiko (historisch und rezent). (red)